15 Mai 2018

Levada do Curral e Castelejo - schön und gefährlich

Funchal, Santo Amaro - Levada do Curral e Castelejo - Curral das Freiras - 14 km

Vorsicht: keine Wanderempfehlung



Wie nah das komfortable Stadtleben und die Wildheit der Natur auf Madeira zusammenkommen, kann man an einer der imposantesten Levadabauten zwischen Funchal und dem Nonnental, Curral das Freiras erleben. An dieser Levada entlang zu wandern, stand schon lange auf meiner Wunschliste, doch die Berichte über ihren Zustand schreckten mich lange Zeit ab. Im letzten Herbst jedoch wanderte eine Gruppe von Funchal zum Kastanienfest ins Nonnental. Damit war klar: es geht wieder! Allerdings müssen für eine Wanderung an dieser Levada alle Faktoren stimmen: die eigene Physis, die Jahreszeit und das Wetter. Jetzt, Mitte Mai war es soweit.
Was dieser Winter an der Levada angerichtet hatte, wissen wir allerdings nicht. Wir müssen sehen, wie weit wir gefahrlos kommen.

Wir starten am Einkaufszentrum Madeira Shopping im Stadtteil Santo Amaro. Vor uns tragen ein paar Leute ihre Einkäufe über die Levada zu ihren Häusern. Der Kanal ist mit Betonplatten abgedeckt - für den täglichen Weg der Anwohner jedoch in einem denkbar schlechter Zustand: viele der Platten sind eingebrochen oder fehlen gänzlich. Das ist ein kleiner Vorgeschmack dessen, was uns erwartet.


nur 300 m vom modernen Einkaufszentrum entfernt


Wir durchstreifen auf der Levada die Ortsteile Quitéria und Preces und nach 2,5 km haben wir die letzten Häuser, die ins Tal der Ribeira des Soccoridos hineingebaut wurden, hinter uns. Wir werfen einen Blick zurück nach Câmara de Lobos und auf die andere Flussseite.








Vor uns liegt die längst verlassene Siedlung Fajã do Poio. Ein Hahn kräht, als wir uns nähern. Die Gärten und kleinen Feldterrassen von zwei Häuschen sehen gepflegt aus - hier wird wohl manches Wochenende verbracht und geackert.







Bis zur Ribeira da Lapa mit  Wasserfall und Tunnelpassage ist die Levada bei trockenen Bedingungen gut machbar, sofern man schwindelfrei und ohne Höhenangst unterwegs ist. Alle Erdrutsche sind beseitigt, ausgesetzte Stellen jedoch noch nicht repariert, die Seil- und Zaunsicherungen teilweise weggebrochen. 








Dann braucht man regenfeste Kleidung, damit man die Passage unter den Wasserfällen ohne Hast und mit viel Vorsicht einigermaßen trocken bewältigen kann. Die Levadamauer ist griffig, aber auch hier gibt es keine stabilen Sicherungen. Genauso wenig an den Stufen, die zum Tunnel nach oben führen.







Bald folgt eine elende Strecke durch dichtes Schilf- und Weidendickicht. Wir haben den Vorteil, dass ein großer Teil bereits abgehackt worden war und die Levada hier trocken ist. Trotzdem kommen wir nur mühsam voran. 





Als wir wieder freie Sicht haben, sind die nächsten Herausforderungen umgestürzte Bäume, kleine Erdrutsche und eine immer wieder ausgebrochene Levadamauer. Viel Muße für die botanischen Besonderheiten oder das wunderbare Panorama bleibt da nur, wenn man sicheren Stand im Levadabett findet. 
Nur dann wage ich auch Blicke in das tief eingeschnittene, gewundene Flusstal - und denke daran, wie vor ein paar hundert Jahren Inselbewohner (der Geschichte nach waren es Nonnen) vor den Piraten durch dieses Tal ins Inselinnere geflüchtet sind.


 












Es folgen ein paar kritische Umgehungen, zugewachsen und bröselig im Untergrund, so dass jeder Schritt konzentriert gesetzt werden muss. Ich stelle einfach mal so die Frage: warum machen wir das? 






Als wir den nächsten kleinen Tunnel passiert haben, weiß ich die Antwort: die Großartigkeit dessen, was hier geschaffen worden ist, kann ich nur erfassen, wenn ich die Strecke gegangen bin. Hier geht es also nicht primär ums Wandern, sondern um das Eindringen in ein gewaltiges Ensemble von menschlicher Schöpferkraft und Naturgewalt. 






Dass nichts bleibt, wie es ist, zeigt auch ein hundert Meter breites, schräges Felsband mit einem rutschigen Grat zur Überquerung.  Die Levada, in ihrer Funktion längst aufgegeben, ist nach dem Erdrutsch komplett weg.



Als wir danach in den knospenden Kastanienwald eintauchen, ist alles wieder lieblich, ein fast normaler Levadaweg - für ein paar Meter.




Nach weiteren Hindernissen taucht unter uns ein kleines Bohnenfeld auf. Noch nie habe ich mich so sehr über den Anblick eines bestellten Feldes gefreut, denn das bedeutet, dass wir nun ganz sicher nicht mehr umkehren müssen.



Vom Feld bis zur Straße ist es noch mehr als ein Kilometer und ich muss dauernd darüber nachdenken, was derjenige, der hier etwas anbaut, zu leisten hat, bevor er ein paar Pfund Bohnen in seinen Topf werfen kann. Es geht nämlich weiterhin auf ausgebrochenen Mauern und über frische Erdrutsche. Am Ende kraxeln wir durch ein paar Felsbrocken - im Ortsteil Capela - wohlbehalten auf die Straße. 


links sind die Ackergeräte deponiert

das ist der Arbeitsweg

und das ebenso

Fazit: keine empfehlenswerte Wanderung, aber ein großartiges Erlebnis 

Gehzeit: 5 Stunden  (zurück geht's mit dem Bus)

Anfahrt: Funchal - São Martinho - Santo Amaro / Einkaufszentrum Madeira Shopping

Rückfahrt: Bus Nr 81 (Horarios Funchal) bis zur Haltestelle Courelas, von hier 750 m auf einem Treppenweg (hinter Armazem Intelegente) bergab zum Ausgangspunkt 

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