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19 Dezember 2015

Unterwegs auf unbekannten Pfaden


Unsere Jahresabschlusswanderung im Dezember führt ins in Ribeira da Janela Tal, doch diesmal wollen wir nicht entlang der gleichnamigen Levada laufen, sondern raus aus dem Tal und hoch über der Küste Richtung Seixal wandern. Es soll dort einen alten Wirtschaftsweg bis Tranquada geben, dann wollen wir sehen wie es weitergeht.


Gleich hinter dem Dorf Eira da Achada entdecken wir das wegweisende Holzschild


Es ist eine der Veredas, die in früheren Zeiten häufig begangen wurden, z.B. um Holz aus dem Wald zu holen. Viele davon sind inzwischen verfallen oder zugewachsen - hier sieht es erstmal so aus als ob wir weiter kommen.


Doch das geht nicht lange gut! Nach ein paar hundert Metern versperrt uns ein umgestürzter Baumstamm und ein offizielles Absperrband den Weg. Als Alternative bietet sich nur ein mühsamer Aufstieg an, der uns auf eine kleine Ebene mit wunderschönen Ausblicken bringt.



Aber auch hier kommen wir trotz GPS und Kartenstudium nicht weiter. Der Weg nach Tranquada bleibt uns versperrt und wir drehen um, um wenigstens die Vereda da Ribeira da Janela zu finden. Da dies ein ausgewiesener Wanderweg ( PR 15 ) ist, brauchen wir nur den Einstieg zu suchen...



...und finden ihn kurz nach der Überquerung der ER 209 nahe einem Hain mit uralten Baumheiden.


Immer in der Nähe der Levada dos Cedros, die hier wie ein kleiner Bach dahinplätschert, wandern wir bequem bergab - mit Picknickpause, das muss sein! -....


...bis wir wieder unseren Ausgangspunkt Eira da Achada entdecken. An einer steilen Feldlevada führen  schmale Stufen die letzten 50 Höhenmeter ins Dorf hinunter. 




Die Tour war sehr schön, wenn auch ganz anders als geplant. Doch die Tage sind kurz und wir wollen nicht Pfadfinder bei hereinbrechender Dunkelheit sein. Also werden wir mal verfolgen, ob nach dem Winter der Weg wieder freigelegt wird, wenn die Strecken für die Bergmarathons hergerichtet werden.


11 Dezember 2015

Palheiro Gardens

"Wir müssen nicht jede Woche zwingend wandern," meint Piet. Ich stimme nur ungern zu, denn das ungewöhnlich ruhige Wetter lädt wirklich noch mal in die Berge ein. Ein Kompromiss wird gefunden: wir besuchen den Park der Quinta do Palheiro und bummeln anschließend noch durch das vorweihnachtliche Funchal.


Es wird ein Spaziergang durch alle Jahreszeiten. Gekommen sind wir hauptsächlich wegen der Kamilien, für den Blütenrausch sind wir allerdings zu früh. Macht nichts, denn jede einzelne Blüte ist für sich ein Zauber - seht selbst die kleine Auswahl.










Schon bald nach der Kamelienallee weiß ich, dass ich einen neuen Lieblingspark auf Madeira gefunden habe. Diese weitläufige Gartenanlage der Familie Blandy ist eine ungewöhnlich harmonische Verbindung von englischer und französischer Gartenbaukunst, gezähmter Natur und birgt einen großer Schatz von seltenen Pflanzen im Stelldichein mit kleinen Wiesenblümchen.

Platanenallee mit nickendem Sauerklee - Oxalis pes caprae
Einfassung des Senkgartens
Liliensammlung
Jardim da Senhora 
Hochzeitskapelle
Blick auf Funchal 
Araukarie - Araucaria bidwilii
Königsprotea - Protea Cynaroides

afrikanische Rachenlilie - Antholyza aethiopica

Palheiro Gardens ist ganzjährig geöffnet
Der relativ hohe Eintrittspreis von 10,50 Euro ist durchaus gerechtfertigt.
Wir waren länger als drei Stunden intensiv mit Schauen, Staunen und Fotografieren beschäftigt.

http://www.palheirogardens.com/




06 Dezember 2015

Winterwanderung an der Südküste


Ganz gemütlich wollten wir es am letzten Wochenende angehen lassen: von Fajã de Ovelha Richtung Westen, um dann den Abstieg nach Paúl Do Mar zu finden. Schon oft habe ich auf den Serpentinenweg der vom Strand hoch zum Restaurant "O Precipicio" führt geschaut, nun wollen wir ihn endlich mal laufen, allerdings nicht als An- sondern als Abstieg. Wie gesagt, wir wollten es gemütlich!


Wir haben Wanderbegleitung und sind mit zwei Autos unterwegs, von denen eins in Paúl stehen bleibt. Mit dem anderen fahren wir hoch auf 640 Meter und beginnen unsere Tour, wo die Levada Nova die Regionalstraße101 kreuzt. Damit schenken wir uns heute mal den schweißtreibenden Aufstieg des Rückwegs.

Paúl do Mar 
Dort, wo die Levada am kleinen Gästehaus "Colina da Fajã" vorbeiführt, bekommen wir den hilfreichen Tipp, dass der links abzweigende Treppenweg hinunter nach Paúl Do Mar führt. Ein paar weiß-rote Bänder, die immer mal wieder in den Büschen hängen markieren den Links-rechts-links-Pfad, bis wir nahe der Kirche von Fajã auf die Straße treffen.




Ein Bica in der Bar gegenüber dem Kirchplatz und dann geht es ein kleines Stück weiter auf der Straße Richtung Macapez. An der Azulejo-Tafel kommen wir wieder auf den Treppenweg, der nach kurzer Zeit zum Antigo Fio da Fajã da Ovelha führt. Vorbei an Agaven mit baumgroßen Blütenständen haben wir einen schönen Blick auf Paúl do Mar und ein glitzerndes stilles, blaues Meer. Serpentine für Serpentine windet sich der überwiegend gut erhaltenene Treppenweg nach unten. Die runden Stufen lassen sich trotz mancher Steilpassagen sehr gut laufen.







Wir kommen unten in der Ribeira das Galinhas an, die wir über eine Bogenbrücke überqueren und treffen auf das Ende der langen Uferstraße. Nach 2 1/2 Stunden freuen wir uns auf unsere Kaffeepause. Das Café Vila Amore ist Zielpunkt - und der Gemütlichkeit krönender Abschluss ist ein großes Tortenstück zum Kaffee.



grün: Wanderroute
rot: Autostrecke



23 November 2015

Königsweg

"Este caminho não está agradável para os joelhos!"
Diese Warnung - dieser Weg ist nicht angenehm für die Knie - ist nicht der einzige Grund warum man den Begriff Königsweg nicht verklären sollte. "Caminho real" heißt zwar übersetzt königlicher Weg, und tatsächlich wurden in vergangenen Jahrhunderten  Edelleute mit Pferden und Sänften über jene Wege über die Berge gebracht. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieben sie die einzigen Verbindungswege, um von der Nord- zur Südküste zu gelangen. Es waren Wirtschaftswege, um Waren zu transportieren, um Feuerholz aus den Bergen zu holen und nicht zuletzt, um Kranke nach Funchal zu transportieren. Sehr ergreifend wird dies geschildert in den Beiträgen von Tiago: "Madeirenser erinnern sich" http://www.forum-madeira.eu/thread.php?board=114&thread=2#5
Königlich für uns ist allenfalls das Gefühl auf diesen alten Wegen Madeira erwandern zu können. Diesmal also vom Boca da Encumeada, der Wetterscheide Madeiras, Richtung Boca Do Cerro und zurück.




Der Encumeada Pass empfängt uns mit einem heftigen Nordostwind, der die Wolken vor sich hertreibt. Gut , dass unser  Weg etwas unterhalb der Passhöhe beginnt und sich geschützt an der Südflanke durch den Eukalyptuswald entlang zieht.
Es sind einige Wasserläufe zu queren, die immer noch so wenig Wasser wie im Sommer führen. Kurz vor der alten Bogenbrücke über die Ribeira do Poço kommt uns leichtfüßig ein junger Madeirenser entgegen gesprungen. Er sieht weder nach einem Läufer, noch nach einem Wanderer aus, eher wie einer der gerade vom Feld kommt. Hier? Mitten in den Bergen? Weit weg von irgendwelchen Behausungen? Bald darauf sehen wir die kleinen, bewirtschafteten Felder und etliche Palheiros, die eindeutig genutzt werden. Auf winzigen Parzellen werden Kartoffeln, Kohl und Kürbisse angebaut.




Ab hier beginnt nun der lange Anstieg hinauf zum Eselspass, den wir vor einigen Tagen von der Südseite kommend erreicht hatten. Der steile Pflasterweg ist nun durchgängig besonnt und bietet wieder einmal grandiose Ausblicke. Vor uns der Pico Grande und erkennbar der Weg, der sich bis zum Boca da Corrida hinzieht.



ausgesetzte Stelle nach Erdrutsch - sicher zu überqueren
Pico Grande und Eselspass 

Der Rückweg macht uns den Eingangssatz noch mal voll bewusst. Beim Abstieg merken wir erst, wie steil sich der Weg nach oben war. "Der Weg ist nicht angenehm für die Knie!" Hinunter noch weniger als hinauf.

Jetzt sehen wir, wie sich die Wolken, die über den Encumeada quellen, inzwischen verdichtet haben. Der Wind hat noch mal richtig zugelegt und drückt sie hinunter ins Ribeira Brava Tal. Unter den hohen Eukalyptusbäumen, die mächtig über uns rauschen, kommt uns - nach dem anstrengenden Abstieg - der Aufstieg zum Encumeada fast wie ein Spaziergang vor.




Für den Weg (PR 12) vom Encumeada-Pass bis zum Boca Do Cerro und zurück sollten gut 6 Stunden eingeplant werden.

ein Blick zurück im letzten Sonnenlicht