15 September 2013

Sehnsucht nach Wärme

Vor  knapp 3 Jahren kamen wir zum ersten Mal nach Madeira. Es war Liebe auf den ersten Blick.
Noch nicht ahnend, dass uns diese Insel immer wieder anziehen wird, habe ich damals einen kleinen Reisebericht verfasst - für alle, die dem langen (nord)deutschen Winter entfliehen wollen.



Madeira im Winter

Ein europäisches Urlaubsziel weit draußen im Atlantik, das die Sehnsucht nach Wärme und nach der Farbe Grün im Winter stillen kann.

Das ausgeglichene Klima der portugiesischen Insel Madeira liegt im Mittel bei winterlichen 17° C und sommerlichen 25° C. Die Wassertemperatur kühlt von 22° C im Sommer dank des Golfstroms im Winter nur auf minimal 18° C ab. Tapfere Schwimmer können also selbst im Februar in einem der felsgeformten Meeresbecken ein Bad nehmen. Sonnige Tage, die dazu einladen, gibt es in jedem Fall genügend, sofern man sich in den Wintermonaten überwiegend an Madeiras Südküste aufhält. Die schroffen Steilküsten des Nordens und die hohen Gipfel der Inselmitte liegen dagegen häufig in Wolken.





Für einen Kurzurlaub ist es günstig die Unterkunft in Funchal, der Hauptstadt Madeiras, zu buchen. Von hier aus hat man sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit einem Leihwagen beste Möglichkeiten, die Insel mit all ihren Schönheiten zu entdecken.




Funchal
An der Südküste gelegen, im Rücken das schützende Zentralmassiv, liegt die moderne, kosmopolitische Großstadt an einem Hang in Form eines Amphitheaters mit Blick auf die große Bühne des atlantischen Ozeans. Der Hafen ist Anlaufpunkt vieler Kreuzfahrschiffe und manche Tage strömen Touristenmassen durch die hügelige Altstadt, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuhaken. 
Dazu gehört in jedem Fall der Mercado dos Lavradores - die Markthalle im historischen Stadtteil Santa Maria. Das übliche Markttreiben mischt sich mit einer Üppigkeit von Farben und Gerüchen, dass die Besonderheit der Architektur - zwischen Art Deco und Moderne - beinahe in den Hintergrund gerät. Vor den Toren bieten Madeiras Kunsthandwerker Stickereien, Korbwaren und die berühmten Bauernstiefel aus Ziegenleder an. Im Inneren der mit wunderschönen Kachelwänden bekleideten Halle türmen sich Gewürze, tropische Früchte, Gemüse und Blumen: Orchideen, Strelizien, Anthurien, Kamelien, Proteas und eine Vielzahl von Knollen, Samen und Jungpflanzen wie kleinen Bananenbäumchen oder Baumfarnen. Wer früh morgens da ist kann in der Fischhalle die Vielfalt des atlantischen Meeres erleben - bemerkenswert und empfehlenswert zu probieren ist der schwarze Degenfisch Espada.








Ein längerer Streifzug durch die Stadt bietet sowohl Shoppingbegeisterten, wie Museumsliebhabern ein Riesenprogramm - nicht zu vergessen die vielen Kirchen und Kapellen. Erholen kann man sich davon in Straßencafes oder in einem der wunderschönen Stadtparks.

Ein Fest der Sinne für alle Pflanzenliebhaber sind auch die Gärten und Quintas (madeirensiche Landgüter) in und rund um Funchal. Besonders sehenswert für Kunst- und Gartenfreunde ist der Jardim Tropical Monte Palace. Auf 70.000 qm lädt ein höchst reizvolles Refugium ein den Tag zwischen orientalischen Gärten, Pflanzen aus Australien, Südamerika und Südafrika und nicht zuletzt unter den altehrwürdigen Bäumen des madeirensischen Laurissilva-Waldes zu verbringen. Im Museum beeindruckt eine riesengroße Sammlung an Steinskulpturen aus Simbabwe, im Garten eine der größten Ausstellungen an Azulejo-Wandbildern Portugals. Sie reicht von spanischen Mudéjar-Kacheln bis hin zu modernen Tafeln.



Wer länger als eine Woche auf Madeira verbringen kann, wird sicher Gefallen daran haben, sein Domizil außerhalb Funchals an der Südküste zu suchen. Während der Osten touristisch sehr überlaufen ist, kann man in den Ansiedlungen im Westen wunderbar ruhige Unterkünfte finden. Die besten Schönwettergarantien bietet dafür die Südwestküste zwischen Ponta da Sol und Jardim do Mar. Je nach Lage im hügeligen Gelände genießt man die Sonne vom Auf- bis zum Untergang und hat eine perfekte Ausgangsbasis für Autotouren und Wanderungen über die Insel. Dabei werden wir am Wegesrand ständig von Mittagsblumen, Schmucklilien, Callas, meterhohen Weihnachtssternen, Avocado-- und Papayobäumen und ganzjährig blühenden Geranien begleitet. Der Ort Calheta bietet einen der wenigen geschützten Sandstrände.






Levadas
Die berühmten Levadas, ein einzigartiges Bewässerungssystem auf Madeira, sind  eines der Highlights, wo Naturfreunde auf der Insel des ewigen Frühlings Blumenpracht und Pflanzenvielfalt erleben können. Levadas sind Wasserläufe, die seit Jahrhunderten das Regenwasser von der Nordseite der Insel auf die trockene Südseite leiten. Sie laufen um die Berge herum und bieten Wanderern entlang der von Menschen geschaffenen und gepflegten Wasserrinnen die Möglichkeit die Schönheit der Natur zu Fuß zu erkunden. Je nach Kondition und Wandererfahrung geht man entlang so genannter Spazierweg-Levadas mit kleinen Picknickplätzchen oder Levada-Touren, die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit im manchmal schwierigem Gelände verlangen.





Wenn das Wetter es erlaubt und die Hochebene der Insel wolkenfrei ist, sollte man unbedingt eine Fahrt hinauf nach Paul da Serra unternehmen. Die kleinen Straßen steigen schnell bergan und schon bald verlässt man die Eukalyptuswälder, um oberhalb der Baumgrenze ein Landschaft zu erblicken die gegensätzlicher zur bisher erlebten Blumeninsel nicht sein könnte. Der Eindruck eines schottischen Hochmoors drängt sich auf, sobald wieder Wolken heranziehen und man in kürzester Zeit im dichten Nebel steht. Bleibt es sonnig, sollte man von hier aus unbedingt eine Wanderung in das dicht bewaldete Tal bei Rabac¸al mit seinen zahlreichen  Wasserfällen unternehmen.
Die Rückfahrt zur Küste über den Encumeada-Pass lässt uns ein weiteres Mal staunen: das von bizarren Felswänden umschlossene Tal des Flusses Ribiera Brava ist von grandioser Schönheit.




Im äußersten Westen der Insel steht der höchstgelegene Leuchtturm Madeiras in Ponta da Pargo. Weil er auf einem Felsen 312 m über dem Meer steht, braucht er selbst kein Turm mehr zu sein und ist deshalb für einen Leucht"turm" außergewöhnlich niedrig. Ein weiteres madeirensisches Steilküstenphänomen findet sich in Achadas da Cruz: Eine Seilbahn führt zu einem 500m tiefer gelegenen Küstenstreifen mit Wein- und Gemüsegärten,der sonst nur auf steilem Saumpfad zu erreichen wäre. Jeder Fleck dieser vom Klima begnadeten Insel wir zum Anbau von Nahrungsmittteln genutzt - und sei es auch noch so beschwerlich.





Ganz anders zeigt sich der äußerste Osten Madeiras, die Ponta de Sao Lourenc¸o. Auch dieses Gebiet ist Teil des Naturparks, der 2/3 der gesamten Insel umfasst.
Jetzt im Winter ist die Landspitze saftig grün und eine Wanderung hinaus zur Doppelspitze des Pico do Furado lässt jedes Botanikerherz höher schlagen bei der Vielfältigkeit der endemischen Pflanzenwelt auf der vulkangeborenen Halbinsel. Es bieten sich auch hier phantastische Ausblicke zu den  vorgelagerten Inseln
Porto Santo und den drei Ilhas Desertas sowie entlang der Nordküste, die nach einem Besuch im Sommer ausgiebig beschrieben werden.





22 Februar 2013

Vorsicht Abzocke!



Seit einiger Zeit kann bei Flügen (nicht nur) nach Madeira nur noch ein Gepäckstück mitgeführt werden. Während beim Hinflug die meisten Fluggesellschaften noch relativ kulant sind, sind sie beim Rückflug absolut pingelig. Das kann bedeuten, dass für ein einziges Kilo Übergepäck 50 Euro zu zahlen sind. Das gleiche gilt seit neuestem für die Mitnahme von Blumen, die im Karton verpackt transportiert werden sollen. Dieser gilt als zweites Gepäckstück!
Und versucht mal einen Bund Strelitzien nur im Papier eingehüllt als Handgepäck mitzunehmen. Da bleibt von den Paradiesvogelblüten nicht viel übrig.
Zu bedenken ist, dass auf Madeira viele Menschen vom Blumenverkauf an Touristen leben.

Fazit. Nehmt für die Hinreise einen sehr großen leichten und nur halb gefüllten Koffer, dann habt ihr genug Platz für die botanischen Schönheiten.


Wanderung an der Levada Nova




Von unserem Haus lässt sich die Levada Nova, die sich weit an der Südwestküste entlang zieht, zu Fuß erreichen. Allerdings muss man, um einen Rundweg laufen zu können entweder einen steilen Auf- oder Abstieg in Kauf nehmen.
Wir entscheiden uns lieber für den Aufstieg über das Nachbardorf Lameiros, das wir zunächst ganz gemütlich erreichen. Dann geht’s die Straße und später einen Feldweg durch den Eukalyptuswald gerade hoch (ca 300 m). Das Glück, endlich an der Levada angelangt zu sein und nur noch am fließenden Wasser entlang vorbei an afrikanischen Liebesblumen, wilden Fuchsien und Hortensien (irgendwas blüht ja immer) zu gehen, kann nur noch durch ein kleines Picknick in der Sonne getoppt werden.
Wir laufen heute nicht bis Prazeres, sondern nur bis zum Caminho da Igreja, weil wir auf dem Rückweg noch Im Hotel Atrio Schokoladenkuchen mit Schlagsahne essen wollen. Von hier aus führt der Weg sehr gemütlich durch die Gärten von Estreito zurück zu unserem Haus.




15 Februar 2013

Kaminfeuer

Heute ist es am Abend recht kühl geworden und dann genießen wir es einen Kamin zu haben und den Abend bei loderndem Feuer zu verbringen.


Licht

Diese Woche waren mal wieder Handwerker-Tage. Da haben wir noch mal so richtig gemerkt, wie anstrengend unser Aufenthalt im Herbst war, als wir mehr oder weniger auf der Baustelle gelebt haben.
Jetzt wurde das undichte Dach im Anbau in Angriff genommen, die Tischlerarbeiten im Haus beendet und etliche Lampen installiert.
Nun gibt es endlich auch eine Außenbeleuchtung mit der wir gestern Abend gleich volle Kanne "geprotzt" haben.


Gartengestaltung

Es ist nicht ganz leicht auf Madeira immer das zu finden, was gerade gebraucht wird. Das gilt auch für die Pflanzen, die in unserem Garten wachsen sollen.
Verwöhnt von der Auswahl an Stauden und Gehölzen aus Norddeutschland (immerhin gilt der Kreis Pinneberg zum größten zusammenhängenden Baumschulgebiet der Welt) muss ich mich hier auf Madeira bei der Gartenplanung langsam herantasten.
Das heisst: regelmäßig in der Gärtnerei in Tabua oder in Funchal vorbeischauen, was es gerade mal gibt und bei jedem Flug immer eine Ladung Stecklinge oder Jungpflanzen im Koffer mitnehmen. Das ist eine gute Übung in Geduld, wird aber fast immer mit erfolgreichem Anwachsen der Pflänzchen belohnt.





...und so entsteht ein Beet nach dem anderen, während die restliche Fläche unter Folie und Kies abgedeckt bleibt.

10 Februar 2013

Levada do Paul

Nach mehreren Wochen ist mein Knie soweit, dass ich ihm mal wieder eine leichte Wanderung zutraue.

Wir suchen uns für den Nachmittag eine steigungsfreie Tour an der Levada do Paul aus. Die Levada verläuft an der Südseite der Hochebene Paul da Serra und wir starten an der Statue des Christo Rei in Richtung Fatima-Kapelle.

Sehr beschaulich, anstrengungsfrei und ohne Schwierigkeitsgrade verläuft der Weg durch gelb blühende Ginsterbüsche und grüne Wiesen, über kleine Bäche und Wasserfälle (zur Zeit trocken!), vorbei an einem riesigen Solarfeld, hin und wieder begleitet vom Geräusch der Rotoren der Windräder, die oben auf der Hochebene drehen. Ansonsten ist es total still: keine Menschenseele weit und breit, hin und wieder ein paar Vögel, Frösche und Kaninchen und das sanft dahin fließende Wasser der Levada.

Wir laufen auf 1300 Höhenmetern und solange die Sonne scheint ist es richtig warm, doch dann zieht Nebel auf - es ist halt Winter! - und wir sind froh, dass wir die Jacken im Rucksack dabei haben.