09 Dezember 2018

Das alte Madeira

Ponta Delgada - Tanque - Levada do Lombo - Levada da Cancela - Segunda Lombada - Lombinho -Ponta Delgada - 12 km 



Im Wegelabyrinth von Ponta Delgada und den Siedlungen der Lombadas darüber lässt sich noch viel altes Madeira entdecken. Nicht nur die vielen erhaltenen Fußwege mit der typischen Pflasterung - Calçadas Madeirenses - sondern vor allem die Menschen, denen wir auf unseren Wanderungen im Norden begegnen, lassen uns Einblick nehmen in das Madeira aus früheren Zeiten. Sitten, Gebräuche, kulturelles Erbe - wie immer man es nennen möchte - hier ist es zu finden. 


Levadabrücke







Bei unserem letzten Streifzug war es die Schlachtung des "Weihnachtsschweins".
Es war - und ist noch immer - ein Ritual der Vorweihnachtszeit ein Schwein zu schlachten. Das Hausschwein wurde monatelang gemästet, damit die Familie in der Weihnachtszeit Fleisch essen konnte. 
Erzählungen über die Todesschreie der arme Säue im Dezember lassen ahnen, dass das nicht sehr tierfreundlich vonstatten ging. 
Wir standen nun gestern mitten im Schlachtvorgang (glücklicherweise waren die Tiere schon tot). Das erste, bereits ausgenommene Schwein hing im Weg, also bahnte sich sofort eine Unterhaltung an, die selbstverständlich begossen werden musste. Es gab Madeirawein, wirklich guten! 





Dann wurde das hängende Schwein zur Seite genommen, das Blut vom Weg gespritzt, wir wünschten uns gegenseitig frohe Weihnachten - und weiter ging's. 

Der Weg über Tanque hinauf zu den Lombadas ist nicht nur im Sommer, wenn er von Blumen begleitet wird, wunderschön, sondern auch jetzt im sonnigen Dezember. 










Dass auch außerhalb des Haus gekocht wird, ist kein Event, sondern hier ebenso üblich wie alltäglich. Was in diesem Topf war, konnten wir in diesem Falle nicht erfahren, weil er unbeaufsichtigt vor sich hin köchelte.








Entlang der Levada do Lombo kommen wir ins Tal der Ribeira da Camisa, vorbei an einem großen, sehr einladend wirkenden Picknickplatz. Weiter geht's ein Stück an der Straße über die Brücke und gleich wieder eine Treppe links nach oben. 
Hier erreichen wir die Levada do Cancela und folgen ihr bis wir wegen zu dichter Vegetation der wuchernden Girlandenblumen umkehren müssen.


Levada da Cancela - Sítio do Rochão

Levada da Cancela - das alte Levadabett

... und das Neue schon wieder überwuchert

ab hier gab es kein Durchkommen

Wir machen Pause und haben danach immer noch viel Zeit, bevor uns der kurze Tag zur Rückkehr zwingt. Also wandern wir auf dem Caminho dos Lamaceiros weiter bergauf und entdecken einen Wassertank, der von einem weiteren Teil der Levada gespeist wird. Die Levada ist frisch geputzt und hier kommen wir tatsächlich bis zur Madre. 



Caminho das Lamaceiros



Madre in der Ribeira do Velho

Diese Orte im Camisatal sind wirklich magisch!






Wir erkunden noch den einen und anderen Abzweig und machen uns dann an den Abstieg über Segunda Lombada, zunächst immer entlang der Levada da Cancela bis der Weg sich teilt. Links käme man nach Terceira Lombada, rechts zweigt der alternative Caminho Real Richtung Lombinho ab. Der Weg ist in einem tadellosen Zustand und wir sind sehr verwundert, warum er auf keiner aktuellen Karte verzeichnet ist. (Das hätte uns im Sommer bei unserer Inselumrundung den verflixten 7. Tag gerettet - nun ist er auf openstreetmap eingetragen!)




Wegegabelung auf dem Caminho dos Lamaceiros, der über die Lombada das Vacas bis Såo Vicente führt



3. Lombada im Hintergrund
Caminho da 2. Lombada


der Abhang von 3. Lombada mit seinem gefährlichen Abstiegspfad

... unser Weg ist dagegen eine "Avenida"

Ponta Delgada im Hintergrund


Im Ortsteil Lombinho treffen wir auf die Regionalstraße 211, auf der wir mit einigen Abstechern links und rechts zu unserem Auto, das wir an der Kirche abgestellt hatten, zurück wandern.






Fazit: eine erlebnisreiche Runde, für jede/n geeignet der bergauf-bergab gut zu Fuß ist




Gehzeit: 4 Stunden (mit allen Extras)

Höhendifferenz: 450 m




Anfahrt: Funchal - Ribeira Brava - São Vicente - Ponta Delgada