15 Juni 2019

Levadas im Tal der Ribeira do Ponta do Sol

Ponta do Sol - Levada do Coronel - Levada Nova - Levada do Teixo - Levada da Serra - Lombada - Levada do Moinho - Ponta do Sol - 19,9 km




Es war der letzte Tag von Daniels Madeira-Wanderurlaub und sollte eine kleine Forumswanderung werden. Doch leider saß Chris mit dem Flieger auf Teneriffa fest, weil mal wieder ein heftiger Wind den Flughafen beutelte. Das brachte die Pläne etwas durcheinander, weil sowohl bei uns als auch bei Regina die Autos ausfielen. Außerdem war die Wetterlage uneindeutig. Also kamen wir zum spontanen Entschluss im Süden zu bleiben und im Ponta do Sol-Tal Levadas zu erkunden. Die Wandergruppe war geschrumpft (Daniel, Piet und ich) und keine/r von uns hatte sich ernsthaft mit der Länge der Tour auseinandergesetzt. Die vermuteten vier Stunden waren am Ende acht - und 20 km auf der Uhr.

Wie es dazu kam:
Getroffen haben wir uns am Ende der Straße im Tal nach dem Tunnel (Acesso local).

Der Aufstieg durch die westlichen Terrassenfelder zur Levada do Coronel ist gut erhalten und wesentlich schöner als die neue Piste, die ebenfalls zur Levada führt.






Entlang der komplett renovierten Levada sind 2,5 km bis zur neuen Madre auf überwiegend ungesichertem Weg zurückzulegen. Die Blicke ins Tal sind wunderschön, wenn man schwindelfrei ist.








Danach beginnt der Weg am stillgelegten Arm der Levada. Ein kurzes Stück müssen wir uns auf unsicherem Untergrund durchs Gestrüpp schlagen, nach der Kurve ist der  Weg freigelegt. Er bleibt jedoch ausgesetzt und wir müssen sehr auf unsere Füße achten.






Entspannung gibt es in den Galerietunneln. Sie sind top erhalten. Die Ausblicke auf die gegenüberliegende Talseite sind beeindruckend.










Das Ende des ehemaligen Levadawegs finden wir kurz nach einer Bachquerung. Da sind noch die Reste des alten Levadabetts zu sehen. Wir rutschen die Böschung zur Piste runter und setzen dort unseren Weg fort bis zum Picknickplatz gegenüber des Wasserfalls, der die Levada do Moinho auf der Ostseite speist. Pause.






Ribeira da Ponta do Sol

Nach 200 m weiter hoch am Fluss überqueren wir die Ribeira do Ponta do Sol kurz unterhalb der Madre der Levada Nova. 

Die Wanderung entlang der Levada Nova do Ponta do Sol ist eigentlich ein Hightlight, verkommt aber allmählich zum Disneypark, zumindest was die Besucher betrifft. Mal ehrlich: muss man mit Kleinkindern und in Sandälchen diese sehr abgründige Levada samt Tunnel bewandern? Zumal es vor wenigen Tagen hier gebrannt hat, immer noch raucht und permanent Kohle, Erde und Steine von oben herab rieseln.

Blick hinunter zur Levada do Moinho

Tunneleingang der Levada Nova



Blick zur Levada do Coronel

Galerietunnel der Levada do Coronel

frische Brandzone


Wir sind jedenfalls froh, als wir aus der Gefahrenzone kommen und unseren Aufstieg zur Levada do Teixo beginnen. Leider müssen wir dabei auch durch verbranntes Gebiet. Es ist einfach nur deprimierend, denn der Weg und die Levada selbst sind wunderschön.







Glücklicherweise kommen wir nach dem Aufstieg wieder in unbeschadete Natur und können unsere Wanderung auf einem relativ gut gesäuberten Weg entlang der Levada fortsetzen. Auch für diese kleine, idyllische Levada braucht es Trittsicherheit. Die Madre ist ein stiller, verwunschener Ort, wo wir vor dem Rückweg gerne eine Weile sitzen bleiben.


Madre der Levada do Teixo






Ich möchte den Abstieg nicht durch das verbrannte Gebiet machen und schlage die anstrengendere Variante über die Piste vor. Dazu geht es erstmal wieder hoch und dann entlang der Levada da Serra steil, steiler, am steilsten auf dem Caminho do Jangão hinunter bis zur Levada Nova. Wir folgen ihr bis zur Straße, nehmen die Treppenabkürzung zur Levada do Moinho und kommen ziemlich müde in Lombada an. Dort werfen wir noch einen Blick in die ehemalige Wassermühle.



Lombada





Weiter geht's entlang der Levada bis zum kleinen, gelben Haus (wir sind scheinbar schon zu müde   und verfehlen den Zugang.) Dann beginnt der Abstieg entlang der Felskanten hinunter zur Straße und damit zu unseren Autos. 






Regina, die nicht mitwandern wollte, hat für uns gekocht und wartet.
Wie schön, wenn man sich nach acht Stunden nur noch an den gedeckten Tisch setzen und den Tag mit guten Freunden beschließen kann. Danke!

Fazit: eine lange, schwierige Wanderung nur für geübte Levadagänger




Gehzeit: 7 h

Höhendifferenz: 650 m




Anfahrt: Funchal - VR 1 bis Ribeira Brava - VE 3 Bis Ponta do Sol - am Kreisel erste Ausfahrt Richtung Canhas - am zweiten Kreisel zweite Ausfahrt Richtung "Acesso Local" - parken am Ende der asphaltierten Straße

09 Juni 2019

Die Levadas der Fajã da Nogueira

Nogueiras sind Nussbäume. Und eine Fajã eine fruchtbare Ebene, die durch Bergabbrüche und Rutsche entstanden ist. In diesem Hochtal der Ribeira da Metade gediehen wohl früher viele Walnussbäume. Heute arbeitet dort ein Wasserkraftwerk, das Strom aus Levadawasser erzeugt. 



Wir sind zu viert unterwegs - Regina, Daniel, Piet und ich. Um uns herum nur die hohen Gipfel des Pico do Areeiro, Gato, Torres, Ruivo. Ein Auto auf dem Parkplatz, kein Mensch weit und breit. 
Zu den Levadas führt eine Forstpiste, die wir aber bald zugunsten eines reizvolleren Waldwegs verlassen. 







Wir kommen an der Levada da Serra do Faial direkt auf dem Dach des Levadeirohauses an, wo wir museumsmäßig die Relikte vom Levada-Tunnelbau bewundern können: verrostete Schienen und eine Bergwerkslore. Hinter dem Haus stehen die Bienenkästen des Levadeiros. 








Der Pico-Ruivo-Tunnel wäre unser erstes Ziel. Vor dem Tunneleingang wollten wir eigentlich ein Stück der Levadinha de João de Deus erkunden, von der uns Daniel vorschwärmt. Doch daraus wird nichts: der Erdrutsch vom letzten Jahr ist noch immer nicht geräumt oder gesichert, und ich wage nicht über den bröseligen Hang zu gehen. Meine Mitwanderer zeigen Verständnis und wir machen kehrt.





Der Levadagang wird in Fließrichtung noch spektakulär genug. Seit ich vor zwei Jahren zuletzt hier gewesen bin, hat sich in punkto Sicherheit nichts geändert. Wir balancieren oft auf den schmalen Mäuerchen und die ehemaligen Geländer hängen im Abgrund. Volle Konzentration beim Gehen, Panorama schauen nur im Stehen! Felsen, Tunnel, Abgründe - Wildnis pur.







































Am Ende fließt das Wasser der Levada in einen breiten Tunnel und von dort durch eine Druckröhre zum Kraftwerk. Wir haben noch Zeit um die hinter dem großen Tunnel liegende Levada Nova do Juncal zu erforschen und nehmen dafür drei bzw. sechs (vor und zurück) weitere Tunnel in Kauf. Kaum irgendwo anders kann man so tief ins zerklüftete Inselreich vordringen wie hier.






















Den Rückweg bauen wir auch noch mit einem Schlenker über einen Miradouro aus, weil wir einfach nicht genug kriegen können von diesem schönen Tag. 







Der Abstieg, vorbei an der Forsthütte und den "flintstone-Höhlen", hinunter zur Ribeira ist eine steile Wald- und Wieseangelegenheit, die wir mit etwas gemindertem Enthusiasmus hinter uns bringen. Wir waren wirklich lange unterwegs!











Zur "Belohnung" kehren wir in Ribeiro Frio im Restaurante Faisca ein. Um diese späte Stunde treibt sich hier kein Tourist mehr herum. Wir kriegen noch was Gutes zu Essen und die Ziegen kehren auch nach Hause zurück.




Fazit: die Wanderung ist sowohl im Ganzen als auch in kürzeren Abschnitten nur bei trockenem und stabilem Wetter trittsicheren und schwindelfreien Wanderern zu empfehlen. Dann ist sie allerdings ein Traum

Gehzeit: 8 h

Höhendifferenz: ca 500 m




Anfahrt: Funchal - Monte - Poiso Pass - Ribeiro Frio - Central Hidroeletrica
oder: Funchal - Machico - Santana - Faial - Cruzinhas - Central Hidroeletrica