17 Juli 2018

im Westen wieder was Neues - Levada dos Marinheiros



São Lourenço (Fajã de Ovelha) - Levada dos Marinheiros - Fonte do Bispo - Lombada dos Marinheiros - Levada Nova - São Lourenço - 20 km

Dass der Südwesten mehr Wandermöglichkeiten bietet als die Levada Nova oder Steilküstenabstiege, hatten wir im Frühling mit der Erkundung der Levada da Serra do Ponta do Pargo schon entdeckt. Die Levada dos Marinheiros erwies sich als ebenso idyllisch und einfach zu gehen. 


Ich war mal wieder mit Wanderfreunden unterwegs und alle hatten Lust aus der kurzen Levadatour eine große Runde über die gelb blühenden Ginsterhänge der Serra zu machen.

Einstieg zur Levada













Madre der Levada dos Marinheiros


Picknick im Dickicht der Madre


Ginsterpisten

eine Seltenheit: kleine Lorbeerhaine an den Südhängen der Serra

veredelte Brandwunden




An der Levada Nova wanderten wir zurück und konnten die Brückenbau-Fortschritte für die Verlängerung der Via Expresso Richtung Ponta do Pargo machen. Ist sie erstmal fertig, wird es mit der einsamen Idylle im Westen auch bald vorbei sein.


Levada Nova

Brückenbau in der Ribeira dos Marinheiros


Fazit: einfache, abwechslungsreiche Levadawanderung (mit romantischer Madre), die sich über die Forstpisten nach Westen und nach Osten erweitern lässt.

Gehzeit: unsere Runde  6 1/2 Stunden
nur Anstieg und Levada (hin und zurück) 3 Stunden 




Anfahrt: Funchal - Ribeira Brava VE 2 bis zum Ende - weiter auf ER 222 bis Lombo dos Cedros/São Lourenço 

16 Juli 2018

Ganz allein im Paradies


 Ribeira do Seixal - Poço do Candieiro - 1,8 km hin und zurück 

Wir sind immer noch in Chão da Ribeira und lassen das Wochenende mit einer Mini-Wanderung durch das Flussbett der Ribeira do Seixal ausklingen. 




Dem Fluss wird schon weit oben das Wasser geraubt - umgeleitet in die Levada do Seixal und die Levada do Norte und das letzte bisschen noch in die Forellenfarm am Ende des Tals. 
So kommt es, dass man im Sommer trockenen Fußes in seinem Bett wandern kann und einen paradiesischen Platz zum Verweilen findet. Der Zugang ist einfach: gleich rechts der alten Levada- und neuen Straßenbrücke kommen wir ins Flussbett. Flussabwärts können wir ein kurzes Stück über die kleinen Froschtümpel springen, danach sind die Kaskaden nicht mehr spaziergängertauglich. Flussaufwärts ist der interessante Teil, der durch die Schlucht zum Poço do Candieiro führt.

Flussbett ab der Brücke flussabwärts



flussaufwärts



Früchte einer unbekannten Kletterpflanze





Im Winter und Frühling wird hier gerne mal Canyoning gemacht. Im Juni findet meist ein Konzert mit Ecomusicalis am Poço statt.


Wir gehen zurück zur Brücke und umwandern den Wasserfall, um gleich hinter dem Restaurant Pasto Justiniano über einen Wiesenweg wieder zum Fluss zu kommen.


wir schauen nochmal ganz andächtig auf unseren Abstiegsweg von gestern


alter Brunnen am Parkplatz hinter dem Restaurant Justianino




Wasserfall und Poço von oben


 Fazit: zum Poço ist es eine idyllische  Miniwanderung, die man im Sommer auch mit Kindern unternehmen kann

zum Poço do Candieiro von unten

zum Wasserfall von oben

Erkundung alter Wege

Ribeira Funda - Caminho Real 23 - Vereda da Esmoitada - Fanal Fio - Vereda da Cavaca - Chão da Ribeira - 10 km


Wir haben uns für die oben beschriebene Wanderstrecke einen Guide genommen. Wir, das sind Regina, Daniel, Vreni, Piet und ich. Unser Guide heißt Fernando von der madeirensischen Wandergruppe LesaLes. Meine Idee war, von dem versteckten Nest Ribeira Funda auf dem alten Weg (Vereda da Esmoitada), der auf keiner neueren Karte zu finden ist, über Terras de Andrade mit einem Ortskundigen zum Fanal aufzusteigen. 




Nach unserer ersten Nacht im Tipi von Chão da Ribeira treffen wir unsere Mitwanderer auf dem Weg hinunter nach Seixal. Unser Auto bleibt stehen, mit dem anderen fahren wir zunächst nach Seixal und weiter bis Ribeira Funda, was an sich schon ein kleines Abenteuer ist. In der Küstenstraße klafft ein riesiges Loch, das wir bei unserer Inselumrundung schon argwöhnisch beäugt hatten. Mit dem Auto bleibt als einzige Möglichkeit aus dem Tunnel der Schnellstraße durch den Nottunnel herauszufahren und sofort danach im 270' Winkel in den nächsten Tunnel einzubiegen. Für die weniger Einwohner der Siedlung ist dies der "ganz normale" Weg zur Zivilisation, denn alle anderen Zugänge sind inzwischen verschüttet oder abgerutscht.






Die Gruppe startet auf dem Caminho Real 23, in östlicher Richtung. Er war bis zum Erdrutsch 2010 immer noch ein Verbindungsweg zwischen Seixal und Ribeira Funda. Der noch intakte Teil des Wegs ist inzwischen vollkommen zugewachsen. Schon hier scheint ohne Guide kein Weiterkommen möglich. Er kennt nicht nur den Weg, sondern hat auch das richtige Werkzeug dabei, um ihn vom Gestrüpp frei zu hacken.

Abstieg auf dem CR 23 ins Bachbett der Ribeira Funda

entlang der alten Stützmauern ist der Weg unter Gestrüpp versteckt

und Fernando hackt mühsam eine Spur frei



Sobald wir im Wald sind, wird es besser. Der Weg ist frei von Bewuchs und teilweise ist sogar die alte Pflasterung noch zu erkennen. 



Dort, wo wir den Caminho real verlassen müssen, geht's an die Kraxelei, was aber alle gut schaffen. Um eine höhere Felswand, über die man nur mit einem Seil nach oben käme, führt uns Fernando sicher herum. 






Sobald wir den Bergrücken erreicht haben, ist der Aufstiegspfad eindeutiger erkennbar und wir kommen zügiger voran. Wo der Grat sehr schmal wird, lässt sich die Küste in östlicher und westlicher Richtung durch das Geäst der Lorbeerbäume erkennen. 











Nach etwa 700 m Steilanstieg wird es flacher, und mächtige, uralte Stinklorbeerbäume versetzen uns in andächtiges Staunen. Während unser Guide die richtige Spur aus dem Dickicht sucht, umarmen wir den Stamm eines dieser Methusalems mit fünf Menschen - unsere Arme reichen gerade so herum.

Kurz danach erreichen wir eine Forstpiste, und weil die Sicht heute so außergewöhnlich gut ist, machen wir vor dem Abstieg  noch einen Schlenker zum Aussichtspunkt Fio.

Richtung Osten sehen wir Ponta Delgada, Santana und eine kleine Spitze des Pico Ruivo aus den Wolken ragen

Fio


Nach einer erfrischenden Pause geht es zurück zum Abzweig der Vereda da Cavaca nach Chão da Ribeira. Der Weg wird gerade ausgebessert und fühlt sich gegen unseren Aufstieg zunächst an wie eine Avenida. Am Ende der knapp 900 m bergab spüren wir jedoch alle deutlich unsere Füße, Knie und überhaupt alle Gelenke.

Abstieg nach Seixal/Chão da Ribeira





Chão da Ribeira


Fazit: eine 5-Sterne-Wanderung für erfahrene Wanderer mit guter Kondition, die jedoch nur mit ortskundigem Wanderführer unternommen werden sollte

Sehr zu empfehlen ist unser freundlicher Guide Fernando Abreu. Er war sehr auf unsere Sicherheit bedacht, konnte uns viel zeigen und erklären und stellte sich ganz auf unser Tempo ein. Wir sind sicher nicht das letzte Mal mit ihm unterwegs gewesen.


Gehzeit: 8 Stunden (es musste viel gehackt und manchmal auch der Weg gesucht werden)

Anstieg: 1010 m
Abstieg:   862 m



Anfahrt: Funchal - Ribeira Brava - São Vicente - Seixal - Chão da Ribeira/Ribeira Funda