03 Oktober 2026

Rund um Campanário

Der Sommer hat dem Herbst Platz gemacht. Wind und Regen in den Bergen, Wolken an der Südküste - das passt, um nach vielen Jahren mal wieder eine Runde um Campanário mit dem fantastischen Aufstieg am Kliff zu machen. 

Zwischen Opuntien und duftendem Wilden Fenchel führt ein Ziegenpfad entlang der Kante von Campanário hinauf zum Miradouro da Partilha. Unter uns liegt ein Ausflugsboot vor dem Calhau da Lapa, vermutlich mit (Bade)gästen, die die Höhlenwohnungen besichtigen. Wir haben sie vor 10! Jahren zu Fuß aufgesucht, inzwischen ist dort unten alles mächtig aufgehübscht und garnicht mehr einsam und versteckt:  robinson-crusoe-bucht









Auf dem Lombo da Partilha geht es weiter bergauf bis zur Levada do Norte. Dort treffen wir zum ersten Mal eine Wandergruppe, während wir den großen Bogen um Campanário machen. 




Bei Pedregal wird an die Männer erinnert, die beim Bau dieser Levada ihr Leben ließen. Der gefährlichste Abschnitt befindet sich hoch über dem Ribeira Brava Tal und wird seit wenigen Jahren erst durch einen Tunnel ersetzt, der hier (bei Pedregal) endet. Die offene Levada über Campanário ist weiterhin zur Bewässerung der Felder aktiv und ist mehr Spazier- als Wanderweg. Wir folgen ihr noch ein paar hundert Meter, dann beginnen wir unseren Abstieg. Zunächst in Richtung Pico do Frade entlang einer Mini-Levada. Dann immer weiter geradewegs bergab auf alten Treppenwegen, vorbei an der Kirche, bis wir unseren Startpunkt nahe der Schule wieder erreicht haben.





Fazit: nur der Aufstieg an der Klippe verlangt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, die restlichen Wege sind einfach zu gehen





 



19 September 2026

Wilde Wege - Tour 21 - Rund um Boaventura

Drei Tage Regen im Norden, und alles ist wieder satt grün und die Wasserfälle rauschen. Im Süden der Insel kann man noch ordentlich schwitzen, im Norden herrschen angenehme Wandertemperaturen. Entlang der Levada da Cima und der Levada da Achada Grande sind wir wie immer alleine unterwegs.













Wir haben die ganze Tour 21 aus dem Wilde Wanderführer inspiziert. dabei fiel auf, dass der letzte Wegeabschnitt vor Boaventura eine dringende Wartung nötig hätte. Grün überwuchert und voll mit kleinen und großen Gesteinsbrocken ist er nicht mehr schön zu gehen - nichts gefährliches, aber nicht so richtig sicher. Als Alternative bietet sich der Abstieg über die Vereda da Achada da Pereira an. Dazu bleibt man auf dem Treppenabstieg nach den Häusern rechts, anstatt links weiter zu gehen. Danach kann man die Straße überqueren und auf dem Caminho Real 25 nach Boaventura zurück wandern. Das ist etwas weiter und noch ein paar Höhenmeter rauf und runter extra, aber sehr idyllisch.



Die genaue Beschreibung findet ihr im Buch, bzw. in älteren Posts dieses Blogs

15 September 2026

Jardim dos Areias - eine Waldwanderung

Boca da Encumeada - Lombo do Peixe - Fajã Fernandes - Jardim dos Areias - Fajã Fernandes - Cascalho - Ribeira Grande - 8 km



Eine Waldwanderung im tiefen Schatten des Laurissilva ist auch bei mehr als 30° für mich immer noch ein Vergnügen. Ich bin wieder mit Jorge verabredet, und sein Vorschlag ist, von der Boca da Encumeada hinunter nach Ribeira Grande zu gehen. Ich habe zwar das Wegelabyrinth östlich vom bekannten PR 21 schon ein paarmal erforscht, aber ich lasse mich darauf ein. Zum einen ist auch mal ganz schön, nicht immer nach dem richtigen Abzweig suchen zu müssen, zum anderen verspricht er mir einen ganz besonderen Ort. 

Wir beginnen ganz gemütlich unterhalb des Pico da Encumeada Richtung Osten zu wandern. Für die Aussicht über das São Vicente Tal  bietet sich ein kleiner Felsen als Miradouro an. Dann durchqueren wir drei Bachläufe und verlassen am Lombo do Peixe den Weg, der uns entlang der Felswand des Massivs zum Jardim dos Areias führen würde. Zwei mächtige Felsstürze haben ihn zerstört und auf Dauer unpassierbar gemacht. Der Umweg lohnt sich aber allein schon wegen der gewaltigen Bäume, die wie ein Gebirge im Wald stehen.










Nach anderthalb Stunden erreichen wir die Fajã Fernandes und steigen wieder auf, um einen Loop über den Jardim dos Areias zu machen. Wir sind wieder auf einem der Wege, die in dieser - heute bewaldeten - Bergregion, noch vor 100 Jahren Feldwege waren. Bei einem kleinen Abstecher zur Ribeira Grande (auf 760 hm) treffen wir auf drei einheimische Wanderer mit zwei Hunden, die sich von Jorge erklären lassen wie sie zur Boca da Selada weitergehen können. (Sie werden im Laufe des Nachmittags noch mehrmals telefonisch um Rat fragen, weil sie sich verirrt haben.) 





Für uns geht's jetzt erstmal ziemlich steil bergauf. Noch immer habe ich überhaupt keine Vorstellung, was ich mir unter einem "Sandgarten" vorzustellen habe, um so überraschter bin ich als wir in diesen Garten eintreten. Madeirenser neigen gerne in ihrer Sprache zur Verniedlichung, denn was ich hier erlebe, ist ein Park der Giganten. Riesige verwitterte Felsen mit Spalten und Höhlen liegen da zwischen den Bäumen herum. Es scheint, als seien wir in eine andere Zeit eingetreten. Über uns thront der Pico do Ferreiro. Außer dem Rauschen der Ribeira Grande unter uns und ein paar Vogelstimmen ist nichts zu hören. Die Welt ist woanders - es ist magisch!



Die Pforte









Es fällt schwer sich von diesem Ort zu lösen, aber wir haben ja noch einen schönen Weg vor uns durch die Fajã Fernandes und entlang der Vereda do Cascalho.






Bald tauchen dann auch die Überrreste von Palheiros auf und deutlich sieht man, dass die Vereda mal richtig breit war und mit sanftem Gefälle angelegt. Da laufen die Beine wie von alleine. Doch die Freude, hält nicht lange an, denn der Fluss reisst mit zerstörerischer Kraft alle paar Jahre ein weiteres Wegstück mit und eine Umleitung folgt der nächsten. Notdürftige Sicherungen am steilen Böschungshang bieten nur  trittsicheren Wanderern eine Hilfe den Weg fortzusetzen. (Bei unserem letzten Versuch vor zwei Jahren sind wir notgedrungen einfach durchs Flussbett gegangen: Fajã Fernandes April 2024) Auch jetzt müssen wir den Fluss mehrfach überqueren und mal an dem einen, mal an dem anderen Ufer durch viel Gestrüpp laufen. Mit dem Auftauchen der Ruinen von Cascalho gibt es wieder einen richtigen Weg bis wir die Straße in Junça/Ribeira Grande und damit das zweite Auto erreichen.






Fazit: eine geniale Tour, die ich sicher auf die eine oder andere Art wiederholen werde. 
Zum größten Teil sind die Wege einfach und gut zu gehen, aber einige wenige Passagen verlangen absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Gehzeit: 4 h

Höhendifferenz: ↗ 250 m ↘ 800 m