20 Juli 2018

Ganz einfach nur grün - Levada das Faias


Lamaceiros (Boaventura) - Levada das Faias - hin und zurück 9,5 km

Pläne werden gemacht um sie zu ändern! 
Ich treffe mich mit Daniel, der den letzten Urlaubstag auf Madeira verbringt, und wir wollen eine Runde auf dem Weg zum Poço das Pulgas (warum er Flohtümpel heißt, wäre interessant zu erfahren) im Camisa-Tal machen. Regen wird nur für den Südosten der Insel erwartet, aber die Wolken halten sich nicht an die Vorhersage und es regnet heftigst schon in Ponta Delgada. Die Hoffnung, es handele sich nur um einen kurzen Schauer, müssen wir bald aufgeben. Die dunklen Wolken kleben bei Windstille fest, nur küstennah klärt es langsam wieder auf. Also entschließen wir uns für eine kurze Levadawanderung im benachbarten Tal der Ribeira do Porco.



Die Levada das Faias sind Piet und ich vor zwei Wochen Richtung Madre gegangen, jetzt wollen wir ab Lamaceiros mit der Fließrichtung laufen. Es ist eine Levada, die nicht für Wanderer hergerichtet wird, sondern einzig dem Zweck der Bewässerung dient. Entsprechend gibt es keine gepflegten Wege entlang, sondern wir gehen durch das hohe, nasse Gras und die tropfende Sträucher. 










Die Levada macht insgesamt vier Geländesprünge, die wir, bis auf den letzten, durch das grüne Dickicht umgehen können. Beim ersten Abstieg gibt es ein hilfreiches Seil für die besonders engen und rutschigen Abschnitte.






Dort wo der Wasserkanal in die kleinen Seitentäler einschwenkt, werden wir zwar von der Botanik nicht mehr bedrängt, dafür bleibt oft nur ein ein 5 - 10 cm breites ausgesetztes Levada-Mäuerchen zum balancieren. 






Beim letzten Wasserfall machen wir kehrt, denn dort kann man dem Wasserlauf die 30 m in die Tiefe tatsächlich nicht mehr folgen. Auf dem Rückweg umgehen wir den letzten nassen Levada Kilometer auf der parallel laufenden Piste.







Fazit: diese Levada ist im ganzen Verlauf nur für geübte Levadagänger geeignet. Der Reiz liegt in der Ursprünglichkeit und in dem Erlebnis, nur wenig entfernt von Häusern und Straßen in einen grünen Dschungel einzutauchen.

Gehzeit: 3 - 3 1/2 Stunden
Keine nennenswerten An- und Abstiege


Mehr zu diesem Thema:

18 Juli 2018

Expedition ins Wasserherz von Madeira





Relvinhas  - Levada do Seixal - Levada do Norte - Vereda das Barbinhas  - Terra Chá - Paúl da Serra - 17,4 km  zur Zeit keine Wanderempfehlung

Es ist eine Wanderung der besonderen Art. Spektakulär, grandios, überwältigend. Die Natur in den Tälern der Ribeira do Seixal und Ribeira do Hortelá ist gewaltig und fordert Respekt.

Wir sind wieder als kleine Gruppe (Iris, Kristoff, Daniel, Vreni und ich) mit zwei Autos auf der Serra, um uns den Rückweg etwas zu erleichtern. Unser Start ist die Fanalstraße, dort wo der Shortcut vom PR 13 in den Relvinha-Abstieg übergeht. Diese 400 m runter zur Levada do Seixal wurden und werden zum Materialtransport für Reparaturarbeiten an der Levada unterhalten. Der Weg ist also - nachdem wir den Einstieg gefunden haben - gut erkennbar, nicht sehr steil und angenehm zu gehen.
Bis auf eine weggerutschte, ehemals mit Holzgeländer gesicherte Passage, die aber mit viel Vorsicht überquert werden kann. 








im Kessel unter uns ist die Levada do Seixal zu erkennen

die instandgesetzte Levadamauer zwischen den Tunneln


die kritische Passage

im Kessel

Nachdem wir die Levada do Seixal (600 Hm) erreicht haben, passieren wir einen etwa 500 m langen Tunnel, an dessen Ende der gewaltige Hortelá Wasserfall in den Wasserkanal hinein donnert. 




der Hortelá-Wasserfall schießt durch ein Galeriefenster in den Tunnel



Diese Schlucht ist nur mit viel Levadawanderungs-Erfahrung zu genießen. Die grünen Felswände fallen senkrecht 100 m in die Tiefe, die Levadamauer ist zum Glück nicht rutschig und zweifach seilgesichert. 


am Ausgang des Tunnel






einer der seltenen freien Blicke in das Tal Chão da Ribeira (mit Tipi-Dorf)

Die nächste Bachpassage gestaltet sich jedoch ungleich schwieriger und der Gedanke ans Umkehren drängt sich auf. Durch einen immensen Erdrutsch ist die Querung zerstört und der Bach kommt als Wasserfall herunter. Es ist klar, dass wir nass werden, wenn wir hier durchgehen. Alles was schützt, sollte vorher übergezogen werden, damit man sich ganz auf die Füße konzentrieren kann. Mit Regencape und Gamaschen komme ich relativ trocken rüber. Alle anderen haben nicht nur nasse Füße.



die Erdrutsch/Wasserfall-Passage




Trotzdem setzen wir den Weg noch bis zur Madre fort. Im Verlauf ist er ziemlich überschwemmt, aber auch hier lohnen die Eindrücke die Widrigkeiten in Kauf zu nehmen. Nach dem kurzen Rückweg beginnt der Aufstieg über die Vereda da Barbinhas zunächst bis zur Levada do Norte.

Levada do Seixal - Madre

Umkehrpunkt Madre

Vereda das Barbinhas

Holunder

die trockene Seilpassage - diesmal einfach zu queren

Levada do Norte

Auch hier wollen wir bis zur Madre vordringen. Dazu müssen drei Tunnel begangen werden (vor und wieder zurück). Der erste ist nass, der zweite eng, der dritte lang.
Die Madre selbst erkunden nur die beiden Männer, uns Frauen sind die glatten Stufen zu heikel. Auch von unten haben wir einen Eindruck der Wassermassen, die hier zusammenkommen, um die Insel mit dem kostbaren Nass und letztendlich auch mit Strom aus Wasserkraft zu versorgen.











Durch die drei Tunnel - und den inzwischen dichten Nebel - zurück erreichen wir wieder die Vereda das Barbinhas und setzen unseren Aufstieg fort. Der Zustand dieses Bergwegs ist durchgängig gut. 







Vereda das Barbinhas

Mit den letzten Höhenmetern erwischen wir auch noch die Sonne, die uns auf den letzten Kilometern auf der Vereda da Terra Chá einen leuchtenden Abschluss vermittelt.


kaum zu glauben: das Bachbett der Ribeira do Hortelá auf Paúl da Serra, im Hintergrund: Pico Ruivo do Paúl


Die Emotionen und Bilder dieser eindrucksvollen Wanderung wirken noch tagelang nach.

Fazit: die Wanderstrecke birgt einige Gefahren und sollte immer in einer Gruppe von erfahrenen Wanderern mit Ortskenntnis unternommen werden (es gibt keinen Handyempfang!)

Gehzeit: 7 1/2 Stunden (mit zwei Pausen)
Abstieg:  ca. 400 m
Anstieg:  ca. 500 m