15 März 2026

Von Meia Legua nach Espigão

Meia Legua/Ribeira Brava - Vereda do Espigão - Espigão - Levada do Norte - Eira do Mourão - 6,5 km

Es ist fast sechs Jahre her, dass wir den Treppenweg aus dem Ribeira Brava Tal in das abgelegene Nest Espigão gegangen sind. Und jedes Mal, wenn wir auf der Schnellstraße durchs Tal brausen, schaue ich ganz sehnsüchtig zu diesem bizarren Grat hinauf, auf dem sich der Weg hochwindet. Jetzt war es soweit. 

Die Treppenwege sind wie eine Zeitreise in die Vergangenheit und besser als folgendes Zitat lassen sie sich kaum beschreiben:

Eine Wohltat in der Anstrengung. Eine Brutalität in der Schönheit.

Ein Luxus in der Härte vergangener Leben. Ein weiteres geschlossenes Buch, in dem die wahren Nöte vergangener Leben widerhallen.

Ein dramatischer Zauber von Geschichten, erzählt von denen, die mit widerstandsfähigen Seelen, mit starkem Bartwuchs und guten Beinen, zusammenlebten und versichern, dass auf diesen Wegen Kranke auf Tragen, Verstorbene in Särgen und Schränke auf den Schultern transportiert wurden. 

Eine winzige Seite eines Buches mit rauem Inhalt. Ein Freilichtmuseum. Eine stoische und mutige Anthologie!

Felipe Teixeira












Auf dem Weg kommen wir vorbei an Höhlenwohnungen und Behausungen, die verlassen wurden, als würde man wiederkommen wollen, aber auch an bewohnten Häusern, deren beschwerlicher Zugang für die meisten von uns kaum noch möglich erscheint.







Angekommen am Miradouro do Espigão blies uns der feuchte Wind von Norden kommend durch die Glieder. Es gibt nur wenige Häuser in diesem abgelegenen Ort, einige werden renoviert, andere verfallen, sind aber immer noch bewohnt. Alte Frauen sitzen zusammen und schwatzen. Wir suchten uns schnell ein sonniges, windstilles Plätzchen für unsere Pause und hielten Ausschau: die Frage war, ob wir den Abstieg zur Levada do Norte wiederfinden und wenn ja, in welchem Zustand. 

Blick Richtung Ribeira Brava

dunkle Wolken ziehen über den Encumeada-Pass

Blick auf die Levada do Norte von unserem sonnigen Rastplatz

Der Trampelpfad entlang der bewirtschafteten Feldterrassen war noch einigermaßen erkennbar, aber die Abstiege schon etwas kritisch. Die Gelenkigkeit wurde mal wieder ziemlich auf die Probe gestellt. Und der Schlussabstieg durch die felsige Passage direkt über dem Tunnel war durch Erosion wirklich schwierig. Ohne Klettererfahrung wäre er auch gefährlich.





über diese bröselige Felspartie muss man herunter

... und dann ist zu allem Überfluss fünf Meter vor der Levada eine Metallgitter-Barrikade. Direkt daneben rauscht ein kleiner Wasserfall. Eine echte Schikane!



Geschafft! am Tunneleingang der Levada stehen wir wieder auf festem Boden. Dieser Teil der Levada do Norte ist mit dem Bau des Túnel do Pedragal aufgegeben. Hier steht nun nur noch Regenwasser im Kanal, wo sich die "Entengrütze" wohl fühlt und ausbreitet. Erst ab dem Seitenausgang dieses Mega-Tunnels wird die Levada in den Sommermonaten zur Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen östlich von Ribeira Brava wieder befüllt.


Seitenausgang des Túnel do Pedragal

und noch ein verschlossenes Tor. 

in die Ribeira do Espigão kann man noch hineinklettern ...

... und wieder heraus

die Schleuse für die alte Norte

Nach all den Hindernissen, die wir zu überwinden hatten, weil wir quasi durch den "Hintereingang" kamen, beginnt ab der Ribeira do Espigão der entspannte Gang entlang der Levada mit den wunderschönen Aussichten. 






In Eira do Mourão war für uns diesmal Schluss. Unsere Freundin Elke hatte sich wieder angeboten uns als Lift zu unterstützen. Damit blieb meinen Knien, der Abstieg erspart. Stattdessen gönnten wir uns noch einen Poncha und ein bisschen Regenbogen-Theater.




Fazit: diese Wanderung lässt sich leider nicht mehr empfehlen. Zu riskant im Abstieg und in der Überwindung der Absperrungen. 

vor 6 Jahren: https://paradies-goes-madeira.blogspot.com/2020/07/treppenwege-im-ribeira-brava-tal-uber.html


08 März 2026

Von Jardim do Mar nach Jardim Pelado

Vom Meeresgarten (Jardim do Mar) zum kargen Garten (Jardim Pelado) zu gehen, heisst, durch eine Steilwand vom Meer auf 500 m hinaufzusteigen. Das geht eigentlich nur im Winter, denn die Sonne brennt erbarmungslos an die Felswand. Gerade deshalb haben wir uns diese Wanderung ausgesucht, denn alles andere hüllte sich in eine feuchte, windig-kalte Wolkendecke. Dass die Wanderstrecke offiziell als gesperrt gilt, konnte uns ausnahmsweise nicht beeindrucken, denn wir wussten, dass der Weg gefahrlos, wenn auch in manchen Passagen nass und grün überwuchert, und deshalb wenig komfortabel zu begehen ist. Es ist halt ein Bergweg und kein Spazierweg.










Wir beginnen unsere kleine Wanderung am Portinho von Jardim do Mar, gehen entlang der breiten Uferpromenade und schauen ganz irritiert auf die Wellenreiter, bis uns klar wird, dass das Meerwasser einige Grade wärmer ist als die Luft. Uns wird erst nach etlichen Aufstiegsmetern so warm, dass wir eine Schicht ausziehen können. 
Bis zu den letzten Feldterrassen im Hang ist der Weg gut gepflegt, danach verdient er die Bezeichnung "Percurso recomendado" wirklich nicht mehr. Warum dieser Weg (PR 20) seit Jahren so vernachlässigt wird, bleibt uns ein Rätsel, denn ausser dem Beseitigen der wuchernden Pflanzen, wären nur ein paar Felsstufen im Schilfgürtel auszubessern. Würden sich nicht immer wieder Wanderer über das Wegeverbot hinwegsetzen, wäre diese Verbindung zwischen dem Meer und den Weiden von Prazeres schon längst so verwachsen, dass man nicht mehr ohne Werkzeug durchkommen würde.

Nach ein und einer halben Stunde sind wir am Miradouro von Referta angekommen und müssen nur noch die hässliche Betonsiedlung - am besten mit geschlossenen Augen - durchqueren, bis wir  zu einem kleinen Picknick in Jardim Pelado empfangen werden. Danach geht´s - zum Glück mit dem Auto - wieder runter ans Meer.



21 Februar 2026

von Ribeira da Janela in den Fanal

Ribeira da Janela/Igreja - Levada de Baixo - Vereda da Ribeira da Janela - Pico das Varas - Cabeço da Esmoitada - Fanal - 7 km - ↗ 840 m ↘ 45 m

Den Veranstaltern von Trailrunning Events sei Dank, dass immer wieder schöne, alte Bergwege geöffnet und gepflegt werden. Nach der Veranstaltung des Porto Moniz Ultratrails konnten wir deshalb einen neuen Aufstieg von Ribeira da Janela zum Fanal erkunden. Natürlich laufen wir keine 45 km, deshalb habe ich ein bisschen gebastelt, damit es eine abwechslungsreiche Route zum Genießen wird.

Wir sind mit Hans unterwegs, haben zwei Autos und lassen eins im Fanal stehen, und mit dem anderen fahren wir hinunter nach Ribeira da Janela. Vom Parkplatz vor der Kirche gehen wir los, ein kurzes Straßenstück bergauf bis zum Abzweig der Vereda da Murteira.



Entlang der Levada de Baixo, vorbei an Feldern und Ruinen umrunden wir das Dorf. Zunächst über Betontreppen, später auf alten Steinstufen geht es ziemlich steil in den Wald hinauf.








Bei einem Zaunübertritt treffen wir auf die Vereda da Ribeira da Janela / PR 15, folgen ihr bis zur Forstpiste und gehen links weiter zur Fanalstraße / ER 209. Das ist ein sehr flaches Wegstück Richtung Pico das Varas, das gut tut, um nach dem Anstieg zu verschnaufen.


Dann beginnt der Aufstieg zum Fanal durch lichtes Baumheidegehölz, stetig ansteigend, nicht zu steil, aber - jetzt im Winter - an vielen Stellen sehr nass und matschig. Bald tauchen wir ein in den Lorbeerwald und je näher wir dem Cabeço da Esmoitada kommen, werden die Lorbeerbäume gigantischer. Das ist ganz großes Baumtheater! 





Wir werden immer stiller - diese Bäume machen uns ehrfürchtig.













Am Ende kommen wir dort an, was die meisten für den Fanal halten: auf der grünen Kuhwiese mit großen Baumsilhouettten - auch schön! Weil nun die Sonne richtig wärmt, strecken wir uns am trockenen Lagoa do Fanal noch für eine halbe Stunde aus. Wunderschöööööön!





Fazit: eine Wanderung bei der ich die Höhenmeter nicht spüre. Der Lorbeerwald spendet mehr Energie, als ich verbrauche - und mit meinen Knien gab es heute auch überhaupt keine Probleme.