10 April 2017

Im wunderschönen Janela-Tal


Paúl da Serra - Fonte do Bispo - Vereda do Galhano - Levada da Ribeira da Janela. -Lamaceiros - 25 km

Von der Hochebene Paul da Serra abzusteigen ins Janela-Tal war schon lang der Plan. Wir kriegen unseren Freund José und seinen Sohn dazu uns zu begleiten und damit haben wir ein zweites Auto, um die Tour als One-way zu machen. Einen Wagen stellen wir am Staubecken in Lamaceiros ab, mit dem anderen fahren wir auf die Serra bis Fonte do Bispo (1240 Hm). An der Straßenkreuzung der ER 110 mit der ER 210 beginnt auf der anderen Straßenseite der breite Forstweg, die Vereda do Galhano (z.Zt. nicht beschildert). 



Der Weg zieht sich nach passieren einer Schranke in endlosen Kurven schattig unter Lorbeerbäumen, Madeira-Mahagoni, Maiblumenbäumen, Madeira-Heidelbeeren, Stinklorbeer und Baumheide circa 7 km nach unten. Nach monatelanger Sperrung ist er nun geräumt und wieder gut begehbar. 


Bei km 5,3 erreichen wir eine einfache Betonbrücke, nach weiteren 500 m teilt sich der Weg. Wir nehmen den rechten, der kurz darauf in den Treppenabstieg zur Levada übergeht. Die Stufen sind mit geschnittenen Baumheidehölzern (Urze) gelegt. Manchmal steigen wir auch direkt durch die Baumwurzeln riesiger Lorbeerbäume hindurch.


Bei 425 Höhenmeter erreichen wir die Levada. Das Holzschild sagt uns: 3 km bis zur Quelle der Levada (und zurück), 12 km bis Lamaceiros (wo das zweite Auto steht).  


Der Tag ist jung, der Himmel blau, also wandern wir gegen die Fließrichtung, passieren das Levadeiro Haus und erreichen den ersten Tunnel (200 m). Jeder greift nach seiner Taschenlampe, dabei stellt sich heraus, dass José seine vergessen hat und Piet's lässt sich nur noch auf Notlicht einschalten. Na prima! Vor uns liegen 12 Tunnel, der längste davon ist 1200 m lang. Meine Stirnlampe hat zumindest neue Akkus. 


Wir haben Glück, denn der Wasserstand in der Levada ist niedrig, der Durchgang ziemlich trocken, der schroff gehauene Tunnel nicht allzu niedrig. Wir kommen mit zwei Lampen also gut zurecht.

was baumelt denn hier über dem Fluss? 

Basaltader

Bald erreichen wir die Hauptquelle der Levada, den Fluss Ribeira da Janela. Um zur zweiten Quelle zu kommen, gehen wir am anderen Flussufer an einer kleineren Levada weiter. Bald schon endet der Weg und man geht auf dem schmalen Mäuerchen. Eine ausgesetzte, verrohrte Passage müsste über einen Betonriegel passiert werden. Für einen von uns ist das nicht machbar, also kehren wir um und machen im Flussbett eine schöne Pause. Hier wird uns wieder einmal die Großartigkeit dieser Landschaft bewußt, Flüsse, Wasserfälle, Urwald.


an dieser Stelle war unser Umkehrpunkt


durch den Betonriegel fließt das Wasser aus der kleinen Levada zu und füllt zusammen mit dem Flusswasser der Ribeira da Janela die gleichnamige große Levada



Dann starten wir in unser Tunnelabenteuer. Zurück durch den harmlosen 200 m Tunnel, kurz danach nochmal 200 m Dunkelheit, dann kommt das "Loch". 



Wir ziehen uns Regenponchos über, denn in diesem Tunnel riskiert man nicht nur nasse Füße, sondern mittendrin zischt das Wasser von allen Seiten aus den Felsspalten. Zu allem Überfluss gibt noch eine Lampe und das Handy seinen Geist auf. Mit meiner Stirnleuchte und einem weiteren Handy stolpern wir durch den langen Tunnel. Von der vorangegangenen Levadareinigung liegen noch jede Menge Steine, Hölzer und Sandhaufen auf dem ohnehin schmalen Weg herum. Fast eine halbe Stunde sind wir unter dem Berg. Welch eine Erleichterung als wir leicht durchfeuchtet wieder ins Sonnenlicht kommen!


Die folgenden fünf Tunnel sind kurz und harmlos, der Weg an der Levada in gutem Zustand. Da bleibt immer mal wieder Muße für Blicke in die Landschaft und Entdeckungen an den steilen Hängen des Janela-Tals.




Madre de Louro - eine Heilpflanze gegen Schmerzen (Laurobasidium lauri)
Eine Großbaustelle, die zur Reparatur der Levada nach einem Erdrutsch eingerichtet ist, kann sicher passiert werden.


Zwischen den beiden letzten Tunneln donnert nomalerweise der Wasserfall der Ribeira da Quebrada auf ein schützendes Wellblechdach. Heute ist es nur ein kleine Dusche. Danach wandern wir durch eine Symphonie aus Grün der gigantischen Farne. 





Die ersten Blüten der Passionsblumen hängen über die Levada und bald tauchen als Wegbegleitung die Hortensien auf. Etliche Picknickbänke ziehen tagsüber Spaziergänger - vom großen Speicherbecken bei Lamaceiros kommend - auf diesem Levadaabschnitt heran.


Und dann sehen wir die ersten Terrassengärten, das Dorf Ribeira da Janela an der Mündung des großen Flusses und die kleine vorgelagerte Insel, die wie ein Finger aus dem Meer ragt. 
Das glückliche Ende einer langen und abenteuerlichen Wanderung.



Eins fehlt noch: wir hatten versehentlich die Autotür bei Beginn der Tour offen gelassen, weit offen!
Als wir nach acht Stunden wieder zurückkamen, fanden wir alles so vor, wie wir es verlassen hatten. Nur, dass das Auto mal richtig durchlüftet war. José meint, das geht nur auf Madeira!


nach dem Abstieg gibt es kaum noch Höhendifferenzen, die Peaks entstehen während der Tunneldurchquerungen


Fazit: mittelschwere, bis schwierige, sehr lange Wanderung (knapp 25 km). Nicht im Herbst und Winter nach starken Regenfällen und Sturm gehen!
Unbedingt Taschenlampen (und Ersatzakkus) und wasserdichte Kleidung mitnehmen

Gehzeit: 7-8 Stunden

Anfahrt: Funchal - Ribeira Brava - Calheta - Prazeres - Paúl da Serra - Fonte do Bispo
Rückweg: mit einer vorbestellten Taxe oder mit zweitem Fahrzeug

offizielle Beschreibung (Portugiesisch)





05 April 2017

Concerto do Til im Fanal




Sonntags zum open-air-Konzert in den Fanal - genialer geht's nicht!

Wir verbinden den Konzertbesuch mit einem Spaziergang durch diese einzigartige Landschaft mit uralten Lorbeerbäumen und steilen Abhängen zur Nordküste, die fast ganzjährig in dichte Wolken gehüllt ist. 



Nicht so am 2. April als das Concerto do Til im Fanal am kleinen See stattfinden sollte.

Musik und Natur in Harmonie, das ist das Anliegen von Ecomusicalis und Retoiça aus Porto Moniz. 


Die Fire Pocket Band, ein Bläserquartett mit Schlagzeuger, hatte große Bühne. 
Das Publikum lagerte zu Füßen von uralter Lorbeerbäume und lauschte den fünf Jazzern, die unverstärkt richtig guten Sound machten. 


PopRockJazz-Klassiker von Sting, Steve Wonder, George Benson und, und .... mitreißend interpretiert. Hört selbst!









Musik, Ort, Wetter - einfach nur genial!

Kurz vor Sonnenuntergang gehörte der Fanal wieder den Kühen.





Hier geht's zu den nächsten Konzerten: 


der Fanal zu anderen Gelegenheiten:




04 April 2017

Gipfelsturm

Boca da Corrida - Boca do Cerro - Pico Grande - Chão dos Terreiros - Boca da Corrida

Es ist Zeit der Kirschblüte in Jardim da Serra und bestes Bergwetter Anfang April auf Madeira. Also fahren wir durch weißen Blütenschaum bis zum Forsthaus von Boca da Corrida, wo wir uns mit Daniel zur Wanderung auf den "Großen Berg" verabredet haben.



Auf der alten Nord-Süd-Querung ( São Vicente- Encumeada - Estreito de Câmara de Lobos - Funchal) gehen wir auf einem recht guten Weg in leichtem Auf-und-Ab etwa 4 km, bis sich an der Boca do Cerro der Weg trennt. Fast über die gesamte Strecke haben wir unser Ziel vor Augen, den massiven Felssockel des Pico Grande. 




Nach dem Abzweig ist eine kurze Pause ein Muss. Das kleine Plateau von Chão da Relva ist zu idyllisch, um einfach weiterzugehen. Ein paar Minuten unter den den alten Kastanien und Eichen, die die Brände der letzten Jahre überlebt haben, mit Blick ins Nonnental, Curral das Freiras, und auf die gegenüberliegende Kette von Madeiras höchsten Gipfeln, dann machen wir uns an den steilen Aufstieg. 

Blick ins Nonnental



Die etwas knifflige Stelle gleich am Anfang ist inzwischen doppelt gesichert mit Seil am Fels und Seil zum Abhang. Der Pfad ist mäßig gut erkennbar und je höher wir kommen um so mehr Wanderer tauchen vor uns auf. 











Auf der kleinen Wiesenterrasse unterhalb der Felsenburg lagert eine weitere Schar von Gipfelstürmern. Für die letzten Meter braucht es ein wenig Kletterpraxis, auch hier helfen Seile für Ungeübte (wie mich). Allzu viel Vertrauen sollte man Ihnen jedoch nicht schenken, der Fels ist griffig genug und hat nur eine schwierige Passage.

wir Gipfelstürmer



Da Panorama auf dem Gipfel ist grandios. Wir befinden uns in der Mitte eines beachtlichen geologischen Parks, mit Säulen und Blöcken und Grübchen von rotem Tuff. Der weite Blick erforscht Pfade und Wege, die darauf warten, begangen zu werden.


Blick ins Ribeira Brava Tal

Nach einer ausgiebigen Rast steigen wir auf gleichem Weg ab und stellen bald fest, wie wichtig es ist, sich auf die Wegführung zu konzentrieren. Einmal nicht aufgepasst, schon stecken wir und etliche, die uns folgen, im Ginsterdickicht. Das kann bei schlechter Sicht böse enden. Am heutigen, sonnigen Tag ist es jedoch kein Problem, ein paar Meter wieder hochzusteigen und den richtigen Pfad zu finden.

beim Abstieg an dieser Gesteinsplatte den linken Pfad nehmen! auf die Steinmännchen achten!

Nach fünf Stunden sind wir zurück an der Boca da Corrida, füllen unsere Wasserflaschen am Forsthaus noch einmal auf und hängen noch einen kleinen Törn nach Chão dos Terreiros an. 

Bei unserer letzten Wanderung über das Hochland hatten wir uns ziemlich in zwischen Zäunen und Brombeeren verfranst, dass wir diesmal den Panoramaberg mal über einen schöneren Weg erreichen wollten.



Aufstieg durch Wiesen und Ginster

Nach der kleinen Kapelle am Parkplatz wenden wir uns jetzt nach links (Forstweg mit Kette) und gehen bis zur zweiten Linkskurve auf dem breiten Forstweg. Dort zweigt ziemlich unscheinbar ein kleiner Wiesenpfad nach rechts ab. Ein gelbe Markierung ist vom Ginster fast überwachsen. Hat man den Saumpfad erstmal gefunden, ist die Wegführung eigentlich unproblematisch, zumal man die Kuppe des Chão dos Terreiros mit seinem Geodäten deutlich vor sich hat. Dort, wo sich der Ginster wieder über dem Weg zu schließen beginnt, helfen gelbe und blaue Markierungen in relativ kurzen Abständen weiter. Der letzte Anstieg zieht sich rechts an einem Zaun entlang, der oben überklettert wird. 






Vogelgezwitscher, Kuhglockengeläute, Abendlicht - hier lässt es sich einsam genießen und auf die Tour zum Pico Grande zurückblicken.
Die Südküste liegt in goldenem Dunst, von Norden quellen die Wolken wie Sahne über den Encumeada Pass. Es wird Zeit nach Hause zu gehen, auch wenn man  hier noch ewig verweilen wollte.



Fazit: bis Chão da Relva, bzw. Chão dos Terreiros einfache Wanderungen. Der Aufstieg zum Pico Grande verlangt Kondition und hat alpinen Charakter. Beide Touren sollten nur bei klarem Wetter gemacht werden




Gehzeit: Boca da Corrida - Pico Grande und zurück 4 Stunden
Boca da Corrida - Chão do Terreiros über den Gratweg und zurück 2 1/2 Stunden
(ohne Pausen)

Anfahrt: Funchal - VR 1 Richtung Ribeira Brava - Ausfahrt Estreito de Câmara de Lobos - Jardim da Serra - Boca da Corrida (Parkplatz an der Kapelle Ober des Forsthauses)

diese Touren zu anderen Jahreszeiten: