07 Juli 2021

Levada da Rocha Vermelha - eine Wanderung mit Wassertaufe

Pico Fernandes - Pau Seco - Levada das 25 Fontes - Levada da Rocha Vermelha - Fonte da Água do Vimeiro - PR 13 - ER 209


Nach zehn Jahren Wandern auf Madeira habe ich heute meine erste Levadataufe erhalten. Es war zwar nur ein Bein im Wasser, aber das bis zum Oberschenkel und es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre ich im Kanal gesessen. Gerettet haben mich Piet und Steffen.

Es kam so: wir sind nach einem Abstieg von Paúl da Serra über den Pau Seco (Vereda do Pico Fernandes) und die Levada das 25 Fontes an der Levada da Rocha Vermelha angekommen. Der Levadakanal ist hier ca. 60 cm breit und mindestens ebenso tief. Der Weg daneben breit und zusätzlich mit einem Geländer gesichert. Als uns ein junges Wanderpärchen entgegenkommt, könnten wir locker aneinander vorbeigehen, aber Steffen weicht sehr zuvorkommend auf die andere Seite der Levada aus, und ich will es ihm nachmachen. Leider ist es dort glitschig, ich rutsche aus, denke, o Sch…., das geht nicht gut und schon taucht mein rechtes Bein ins Wasser. Steffen versucht mich aufzuhalten, Piet greift auch noch zu, wir torkeln zu dritt über dem Kanal und die beiden schaffen es mich wieder hochzuziehen, bevor ich im Wasser sitze. Noch Stunden später lachen wir uns halbtot bei der Vorstellung wir wären alle drei in die Levada gefallen. Da hätten die jungen Leute aber eine echte Story zu erzählen, von den Senioren, die sich auf eine Wanderung in Rabaçal wagen.


Blick vom Pico Fernandes auf das Speicherbecken auf Paúl da Serra

der Abstieg ins Tal der Ribeira da Janela


der verunstaltete Abstiegsweg

kurz vor der Levada das 25 Fontes

Wir wandern an diesem herrlichen Sommertag auch auf der Levada da Rocha Vermelha nicht ganz allein, aber die Begegnungen sind spärlich und wir hören fast nur Vogelgezwitscher und Wasserplätschern. Nach einer langen Pause nahe der alten (und inzwischen inaktiven) Madre, folgt der steile Aufstieg Richtung Fanal. Der Weg ist etwas zugewachsen, aber deutlich erkennbar und in gutem Zustand. Selbst die Holzleiter am oberen Felsstück ist immer noch stabil. 


Levadabrücke der Rocha Vermelha

Blick in den langen Seixaltunnel

Ribeira da Água Negra

Levada da Rocha Vermelha






erste Umgehung der Levada


zweite Umgehung der Levada

Levadatreppe


aktuelle Madre an der Ribeiro da Água do Queijo

alte Madre der Levada - nicht mehr aktiv

Aufstieg zum PR 13





Am Wanderweg PR 13 angekommen, geht es gemütlich zur Fanalstraße, wo unser zweites Auto steht.


Fazit: Während mittlerweile fast alle schönen Berg- und Levadawege im Rabaçalgebiet mit Beton- oder Holzbohlenstufen ganz scheußlich ausgebaut wurden, durfte die Levada da Rocha Vermelha ihre Ursprünglichkeit behalten. Auf dem Weg entlang des immer schmaler werdenden Levadakanals konnten wir den Zauber Rabaçals immer noch erspüren. 

Gehzeit: 4 h 30

Höhendifferenz: ↘  685 ↗ 530



Anfahrt: Funchal VR 1 - Ribeira Brava - VE 4 - Serra de Água - Boca da Encumeada - ER 105 - ER 209



Die Levada da Rocha Vermelha kann natürlich auch als Teil einer Rundwanderung gegangen werden, z.B. so:

https://madeira-rundwanderungen.blogspot.com/2019/04/levada-da-rocha-vermelha-levada-25.html

Ganz ausführlich viele Fotos zur Levada da Rocha Vermelha seht ihr hier

https://caminheirosanonimosmadeira.blogspot.com/2015/12/levada-da-rocha-vermelha.html

28 Juni 2021

Rund um Rabaçal

ER105/Ponto - Pico Gordo - Levada do Furado Velho - Levada das 25 Fontes - Levada da Rocha Vermelha - ZigZag - Câmara de Carga - ER 105 - 13 km


Die erste Straßenverbindung von Calheta nach Rabaçal, die ER 211, war in den letzten Jahren wirklich in einem extrem schlechten Zustand. Nach einem halben Jahr Sperrung und Bauzeit wurde sie am 25. Juni wieder eröffnet. Jetzt müssen wir nicht mehr durch unzählige Schlaglöcher auf die Serra rumpeln, sondern wir fliegen geradezu über die feine Fahrbahndecke. Der letzte Kilometer wurde in herkömmlicher Art mit Kopfsteinpflaster belegt, so wie die Straße über hundert Jahre erhalten geblieben war. Kulturelles Erbe!


Mit dieser neuen Anfahrt machen wir uns also auf den Weg zu einer Wanderung in der Rabaçal-Region. Ziel war, bekannte Wege so zu verknüpfen, dass wir den Touristenströmen weitgehend entkommen. 



Das Auto stellen wir direkt an der Einmündung der ER 211 in die ER 105 in einer kleinen Parkbucht ab und steuern erstmal parallel der Straße auf unseren „Hausberg“, den Pico Gordo, zu. Die Serra erinnert hier ein wenig an  die Alpenregion im Piemont mit ihren mageren Kühen auf kargen Weiden. 


Pico Gordo

Blick auf Calheta


Der Abstieg zur Levada do Furado Velho ist noch immer nicht markiert und der Weg deshalb auch weiterhin menschenleer. Wie bereits hier beschrieben:


https://paradies-goes-madeira.blogspot.com/2020/09/levada-do-furado-velho-do-rabacal.html


wurde diese Wanderstrecke entlang der verfallenen Levada im letzten Jahr sehr schön und behutsam renoviert und spaziergängertauglich gesichert. 







Erst als wir uns dem Forsthaus von Rabaçal nähern, hören wir ein bisschen vom Rummel. Wir steigen aber gleich hinunter zur Levada das 25 Fontes. Für die Renovierungen hier wurde schon sehr viel mehr Beton verwendet, und ganz grausig haben sie den Abstieg zur Levada da Rocha Vermelha verschlimmbessert. Der Weg wurde zur betonierten Treppe mit massivem Geländer ausgebaut, sodass hier jede/r, die/der sich einigermaßen auf den Füßen halten kann, absteigen kann - angeblich um die Sicherheit zu verbessern. Ich bin mittelschwer entsetzt von diesen massiven Eingriffen in einem empfindlichen Naturschutzgebiet.


die renovierte Levada das 25 Fontes

der Abstieg zur Levada da Rocha Vermelha


An der Levada da Rocha Vermelha ist die Welt zum Glück noch in Ordnung. Wir machen an der Wasserfassung in der Ribeira Grande eine - weiterhin einsame - Pause und statten uns danach für den 1,7 km langen, immer nassen Tunnel aus. Er ist an sich harmlos, aber im ersten Drittel tropft es nicht nur von oben, sondern schießt das Wasser stellenweise seitlich aus der Tunnelwand. 







Im Süden angekommen, beginnt direkt am Tunnelausgang ein schöner Serpentinenweg. Er endet am Eingang zum Reitertunnel der Levada das 25 Fontes. Es ist spät am Nachmittag und auch hier kommen nur noch vereinzelte Spaziergänger vorbei. Der Levadeiro macht im Schatten unter der Rotbuche, eine eher seltene Baumart auf Madeira, eine Pause, bevor er wieder mit seiner Machete den grünen Wegelagerern zu Leibe rückt. Wir setzen unseren Aufstieg auf dem Zickzack-Weg fort, Richtung Câmara de Cargo, das kleine Staubecken auf der Serra.



Ab der Levada das 25 Fontes wurde der einstige Zickzack-Erdpfad brutal verbreitert und n.m.M. völlig unnötigerweise ebenfalls mit Seilgeländern versehen. Schön ist allerdings, dass wir das letzte Aufstiegsstück nicht mehr unter dem Druckrohr herumkriechen müssen, sondern parallel dazu bis zum Levadeirahäuschen gehen können - die neue Holzbrücke macht es möglich. Die letzten Meter zurück zum Parkplatz können wir auf einem schmalen Kuh-Trampelpfad machen und so dem regen Autoverkehr, der vom Rabaçal-Parklatz abfließt, entgehen.


Levada das 25 Fontes (Süd) mit Beginn des Zickzack-Wegs

Brücke an der Câmara da Carga

der typische Madeiradunst ist uns hinterher gestiegen


Fazit: eigentlich eine schöne Runde, aber der Zauber von Rabaçal ist durch die massiven Wegeausbauten dahin. Wer noch ein bisschen alleine dort unterwegs sein möchte, sollte sich beeilen, denn wenn erstmal alles beschildert ist, dann wird es auch auf den Nebenstrecken voll.



Gehzeit: 4 h 30


Höhendifferenz: 490 m



Anfahrt: Funchal - VR 1 - Ribeira Brava - VE 3 - Calheta - Estrela - ER 211 - Rabaçal/Ponto