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01 Juni 2026

Waldwanderung unterhalb der Boca da Encumeada

Nach vielen Wochen und Monaten mit steifer und schmerzender Muskulatur, besonders in den Beinen, dachte ich schon, dass meine Zeit der Entdeckungen auf Madeira vorbei wäre, Wanderungen nur noch möglich auf Wegen, die ich kenne, möglichst nur bergauf, bloß nie bergab und nicht länger als zwei bis drei Stunden. Aber nun hat mich das Wärmewunder der letzten Tage - spät in diesem Jahr! - doch wieder aus der Erstarrung erlöst. Nach ein paar vorsichtigen längeren Touren, konnte ich ich endlich mal wieder etwas Neues wagen und meinen Pfadfindergeist richtig ausleben. Begleitet haben mich Piet und Chris.



Wir starten erstmal ganz harmlos auf dem Oma/Enkel Weg, PR 22, der rund um Chão dos Louros führt. Am Posto Florestal gehen wir noch ein Stück auf dem PR 21 weiter bergauf und suchen einen Abzweig nach links - ohne Track kaum zu finden. Nach ein paar Schritten wird der Pfad eindeutiger, aber nur weil die Baummarkierungen sehr eng gesetzt sind. Eine dicke Schicht trockenes Laub knirscht unter den Füßen und versteckt den Weg. Ohne Anstrengung, einfach nur konzentriert zwischen den Lorbeerbäumen gehen, dem Vogelgezwitscher zuhören - einfach schön. Nach einer guten halben Stunde treffen wir auf die bekannte Vereda do Rosto Branco mit ihren senkrecht aufragenden weißen Felsen. 



Baumfarne am Posto Forestal

eng gestzte Markierungen

Vereda do Rosto Branco

die weiße Felswand


Dann beginnt der Aufstieg. Die Gruppe, die diesen Weg vor einer Woche zum Encontro de Pedestrianismo gegangen war, hat hier zum Glück sehr eindeutige Spuren hinterlassen. Der steile Pfad windet sich zwischen den Felsen hinauf und, weil es viele markierte Abzweigungen gibt, müssen wir uns immer mal wieder mit dem Garmin neu verorten. Es ist schon sehr erstaunlich wie viele alte Wege in diesen nordseitigen Hängen verlaufen.








einer der seltenen Ausblicke ins São Vicente Tal


Ganz unerwartet kommt der plötzliche Ausstieg in ein blau-gelbes Farbspektakel am Barracão, dem aufgegebenen Steinbruch oberhalb der Boca da Encumeada. Immer mal wieder werden dünne Wolken über den Pass geblasen, die sich innerhalb von Minuten wieder auflösen. Der Himmel bleibt blau.



Wir gehen entlang der - für Autoverkehr - gesperrten Straße hinunter zum Encumeada-Pass und folgen dem Canal do Norte, um zu sehen, ob nach den umfangreichen Bauarbeiten alles wieder frei zugänglich ist. Ja, das Tor zum Reservoir und Druckrohr steht offen und wir können den schönen Ausblick über das Ribeira Brava-Tal genießen.

 


Canal do Norte Süd


Zurück am Pass nehmen wir für den Rückweg nach Chão dos Louros nicht den PR 22 mit seinen unangenehmen Blockbohlenstufen, sondern suchen uns einen Pfad, der etwas weiter unten von der Straße abzweigt. Auch hier gibt es wieder unzählige Wege, die es uns schwer machen die Richtung zu halten. Nach etlichen Schleifen treffen wir wieder auf den PR 22, der zum Parkplatz auf Chão dos Louros zurück führt. 


irgendwo versteckt liegt ein Weg



Fazit: sehr interessante Waldwanderung, die aber nur Menschen mit einigermaßen Ortskenntnis, gutem Orientierungssinn und Pfadfindergeist zu empfehlen ist. Es gibt keine technisch schwierigen oder riskanten Passagen.

Höhendifferenz: 440 m

GPX: https://de.wikiloc.com/routen-wandern/chao-dos-louros-boca-da-encumeada-267330939

11 Juli 2024

Monte de Trigo - Boca da Encumeada




Der Monte de Trigo bietet viele Auf- und Abstiegsmöglichkeiten. Im Mai habe ich eine Runde über den Pináculo mit meinem Wanderführer Jorge gemacht, im Juni wollte ich mit Piet und Daniel den Aufstieg unterhalb des Pináculo zur Levada do Norte und weiter zum Encumeada-Pass gehen. Dass wir in die zwei bekannten Teilstrecke noch eine unbekannte Variante einfügten, war eher unbeabsichtigt. Weil es neben dem authentischen Weg hinauf zum Poiso des Monte de Trigo etliche Variante aus früheren Versuchen gibt, sind wir unbedachterweise auf der Direttissima gelandet. Das bescherte uns ein paar nicht ganz einfache Kraxel- und Klettereinlagen. Für Daniel mit seinem künstlichen Kniegelenk schon eine ziemliche Herausforderung.

Vereda do Monte de Trigo

die "wilde Variante"

Poiso do Monte de Trigo

Übergang zur Levada do Norte








die schwierigsten Partien sind gemeistert




Levada do Norte





Fazit: eine tolle Tour für Wanderer mit guter Ortskenntnis und Bergwandererfahrung

Gehzeit: 5 h 30

Höhendifferenz: ↗ 850 m ↘ 420 m


Beschreibung der beiden Teilstrecken:
 

04 Juli 2024

Rocha Negra - ein kleines Abenteuer

Rocha Negra - dieser Felsstock westlich des Encumeada Passes hat mich schon immer interessiert. Gleichzeitig war mir klar, dass ich ihn nicht auf eigene Faust erkunden möchte. Also sind wir mal wieder mit Jorge, unserem Guide, verabredet. Zur Begrüßung fragt er: "seid ihr fit? das wird ein Abenteuer!"

Dann muss noch geklärt werden, wie wir die Runde machen: entweder durch die Caldeira da Rocha Negra bis zum Tunnel der Levada do Norte und weiter zur Vereda do Rosto Branco und über den Caminho Real zurück oder entlang der Levada do Norte bis zum Ausgang des ersten Tunnels, dann hinauf auf den Grat des Pico do Cedro und weiter über Lapa do Galho bis zum Monte Medonho. Weil nicht klar ist, wie die Wolken ziehen werden, entscheiden wir uns für die "Inferior-Variante".

Wir starten also am Encumeada-Pass, gehen ein Stück die Straße bergauf, bis zum ehemaligen Steinbruch auf der rechten Seite. Dort überraschen wir einen Camper, der gerade aus seinem Zelt kriecht. Er will uns darauf hinweisen, dass der Weg, auf dem wir uns in die Büsche schlagen, bald endet. Wir müssen schmunzeln: "für dich schon, für uns nicht". Das erste Stück hinauf zum Geodésico auf dem Pico dos Ferreiros (nicht Pico do Ferreiro! der ist östlich der Boca da Encumeada) ist ja erstmal ganz eindeutig. Dann geht es weiter zum Grat, und der Zugang ist wirklich ziemlich zugewachsen. Doch bald haben wir freie Sicht, zumindest Richtung Süden. Über dem São Vicente-Tal liegt eine dichte Wolkendecke.

Pico dos Ferreiros




Pico do Cedro









Bevor es richtig steil und auch gefährlich wird, verlassen wir den Grat und steigen nordseitig ab. Spätestens hier hätten wir alleine kehrt gemacht. Es fühlt sich sehr unwirklich an, weglos, ja fast spurlos in den weiten Schlund, die Caldeira da Rocha Negra hinunter zu gehen. Wasser tropft aus den Felsen über uns, wir nähern uns der Quelle des Ribeiro da Feijoca. Hier erwartet uns die kritischste Passage: ein nasser Fels, für den es keine Umgehung gibt. Zur Sicherung gibt es ein einfaches Knotenseil. Das ist schon ziemlich tricky, vor allem weil man sich das Seil erstmal "angeln" muss. Ich wünschte mir hier eine kleine Ferrata, ein paar Eisen für die Füße und die Hände. 


Abstieg in die Caldeira









Nachdem diese sehr schwierige Stelle mit viel Vorsicht geschafft ist, geht es immer am Fuß des schwarzen Felsen entlang bis wir die Vereda do Lapa do Galho erreichen. Links bergauf käme man nun zum Pico do Cedro, rechts bergab sind wir bald im Bachbett, das direkt auf den Tunnelausgang der Levada do Norte zuführt. Dieser Abstieg, 150 hm, durch die großen, rutschigen Steine ist wirklich anstrengend.

Caldeira da Rocha Negra









vor dem Abstieg ein Blick auf den Pináculo



Am Tunnelausgang treffen wir auf zwei sehr überraschte Wanderer, denen die Frage im Gesicht steht "wo kommen die denn her und wo gehen sie hin?", aber sie fragen nicht und wir schwenken gleich in unseren weiteren Abstieg nach rechts ein. Nach einer Pause sind wir froh nur noch auf bekannten Wegen über die Variante zur Vereda Rosto Branco zu hinunter zu gehen, und auf dieser den Rückweg zu machen. Das ist zwar auch alles andere als ein Spaziergang, aber wenn man eine Strecke schon mehrfach in beide Richtungen begangen hat, fühlt es sich einfacher an. Diese Passage ist im Wanderführer "Wilde Wege Madeira - Tour 17" beschrieben, mehr Fotos sind hier zu sehen:

https://paradies-goes-madeira.blogspot.com/2022/09/wieder-zuruck-und-ab-in-die-wildnis.html

Jorge zeigt uns noch diverse Abzweige und erklärt, wohin sie führen, wie einfach oder schwierig sie zu gehen sind. Außerdem bringt er seine Machete noch einige Male zum Einsatz und kratzt ein paar neue Stufen in die rutschigen Böschungen der Bachquerungen. Damit ist dieser Weg auch wieder aufgefrischt. Den Schlussaufstieg zum Encumeada-Pass machen wir über den Caminho Real 25 / PR 21. Dabei gibt es noch ein paar heimatkundliche Erklärungen zum authentischen Verlauf sowohl der Vereda do Rosto Branco als auch zu den Caminhos Reais, die man mit viel Einsatz wieder zugänglich machen könnte.



untypische Pflasterung für einen Caminho Real 

Fazit: abenteuerlich, spannend und manchmal sogar ein bisschen meditativ - aber alles nur, weil wir einen guten Guide haben, der uns sicher durch die Wildnis führt

https://www.madeirawonderhikes.com