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19 Januar 2026

Ribeira da Ponta do Sol - ein Spaziergang

Dieser Winter macht mich fertig. Wie eine Madeira-Eidechse erstarre ich in der Kälte, bis mich die wärmenden Sonnenstrahlen wieder beweglich machen. Dann aber nichts wie raus, um zumindest einen Spaziergang zu unternehmen. 

Der Fahrweg entlang der Ribeira da Ponta do Sol gehört nicht unbedingt zu meinen Favoriten. Aber mit richtig viel rauschendem Wasser im Flussbett ist er gar nicht mehr so langweilig. Besonders, wenn man zuschauen kann, wie einige Wanderer nasse Füsse bekommen beim Versuch von einem Ufer zum anderen zu gelangen. 


Wir gehen diesmal ganz brav nur am sicheren Ufer entlang, da gibt es genug zu sehen.











Die Erdpiste führt vom Ende der Straße am linken Ufer 3,5 km an der Ribeira entlang. Es ist ein bequemer Spazierweg mit leichter Steigung. Am Ende lässt sich der Fluss überqueren, um zur Levada Nova zu kommen. Zur Zeit riskiert man jedoch mindestens nasse Füße dabei. 

Wie man dabei eine interessante Runde machen kann, ist hier beschrieben:






09 Januar 2026

Garganta Funda - ein seltenes Naturschauspiel

Im äußersten Westen Madeiras rauscht nach den heftigen Regenfällen ein beeindruckender Wasserfall durch einen 100 m tiefen Felsschlund. Üblicherweise sehen wir hier nur ein kleines Rinnsal. Wir wollen dem schlechten Wetter etwas Positives abgewinnen und machen eine kleine, einfache Wanderung von Ponta do Pargo zur Garganta Funda. 



Dabei frage ich mich: warum üben Wasserfälle so eine große Faszination aus?

Die Antwort darauf kennt chatGPT:

Wasserfälle üben auf viele Menschen eine starke Faszination aus, weil mehrere psychologische, biologische und kulturelle Faktoren zusammenwirken:

1. Evolutionäre und biologische Gründe
Wasser ist eine grundlegende Lebensressource. In der menschlichen Evolution bedeutete fließendes Wasser Nahrung, Fruchtbarkeit und Überlebenssicherheit. Ein mächtiger Wasserfall signalisiert Überfluss und Beständigkeit, was unbewusst positive Emotionen auslöst. Zudem reagieren Menschen auf bewegte, natürliche Muster – das stetige Fließen aktiviert nachweislich beruhigende Prozesse im Gehirn.

2. Sinnliche Wirkung
Wasserfälle sprechen mehrere Sinne gleichzeitig an: das visuelle Schauspiel der Bewegung, das tiefe Rauschen, die feuchte, kühle Luft und oft auch das Glitzern des Wassers im Licht. Diese Reizkombination erzeugt ein intensives, fast immersives Erleben, das Alltagsgedanken in den Hintergrund treten lässt.

3. Kontrast von Kraft und Harmonie
Ein Wasserfall verkörpert rohe Naturgewalt, gleichzeitig aber auch Ordnung und Rhythmus. Dieser Gegensatz – zerstörerische Energie bei gleichzeitiger Schönheit – wirkt auf viele Menschen emotional stark und erzeugt Ehrfurcht (das Gefühl von „Erhabenheit“).

4. Psychologische Effekte
Studien zeigen, dass Naturphänomene wie Wasserfälle Stress reduzieren und die Aufmerksamkeit regenerieren. Das gleichmäßige Rauschen kann ähnlich wirken wie weißes Rauschen und beruhigend auf das Nervensystem wirken.

5. Kulturelle und symbolische Bedeutung
In vielen Kulturen stehen Wasserfälle für Reinigung, Erneuerung, Übergang oder spirituelle Kraft. Mythen, Kunst und Literatur verstärken diese Bedeutungszuschreibungen und prägen unsere Wahrnehmung bis heute.

6. Gefühl von Zeitlosigkeit
Wasserfälle verändern sich kaum über menschliche Zeiträume hinweg. Das Erleben von etwas scheinbar Ewigen relativiert persönliche Sorgen und vermittelt ein Gefühl von Demut und innerer Ruhe.

Zusammengefasst faszinieren Wasserfälle, weil sie grundlegende menschliche Bedürfnisse (Sicherheit, Ruhe, Sinn) ansprechen und gleichzeitig starke emotionale Reaktionen durch ihre Schönheit und Macht hervorrufen.

Das kann ich alles unterschreiben, aber die Landschaft rundherum, die Wiesen, der Fluss, die Farben, das Licht ... sind für mich mindestens ebenso sinnlich, beruhigend und spirituell kräftigend.










28 September 2025

Salto do Patagorro

 


Die Wanderung zum Wasserfall Salto do Patagorro - im Sommer nur ein dünner Wasserfilm - war Ende September eine Kombi aus meiner Schatzkiste "wo ich schon immer mal hin wollte" und dem Wunsch am Ende des Sommers noch eine Flusswanderung zu machen. 

Wir starten in Monte/Corujeira auf dem Caminho da Levada dos Tornos an einem sonnigen, windstillen Spätsommertag. Bis zur Brücke Ponte do Pisão sind wir auf einem schattigen Spazierweg. Dieser Caminho führt nach der Brücke hinauf zu den Quellstollen der Águas dos Tornos Altos, ausführlich beschrieben im Wanderbuch "Wilde Wege Madeira", Tour 34 und hier: https://madeira-rundwanderungen.blogspot.com/2020/02/aguas-dos-tornos.html

Nach einem kurzen Anstieg kreuzt die Levada dos Tornos. Wir bleiben links gegen die Fliessrichtung. Unter uns sehen wir ein riesiges Betonwerk, das den gegenüberliegenden Hang der Ribeira da Santa Luzia Trasse für Trasse abbaut. Madeiras Hunger nach Beton muss gestillt werden 😭 Am Wochenende ist zum Glück Ruhe. 




Am Ende der Levada kommen wir zur ehemaligen Trinkwasseraufbereitungsanlage von Tornos, die Funchal mehrere Jahrzehnte versorgte. Sie sollte eigentlich als Informationszentrum weitergeführt werden,  ist jetzt aber verschlossen, zugenagelt und rottet vor sich hin. Ein Pfad führt außerhalb des Zauns darum herum.

Kurz dahinter lässt sich das Flussbett der Ribeira da Santa Luzia auf einer Metallbrücke überqueren. Hier sehen wir schon die ersten beiden riesigen Geröllsperren. Sie wurden errichtet, um ein Unglück, wie es im Februar 2010 geschah, zu verhindern, als nach tagelangen Regenfällen Schlamm- und Geröllmassen die Innenstadt von Funchal verwüsteten und viele Opfer forderten.
Die Erdpiste, die zum Bau dieser Pylonen angelegt wurde, geht nach der Brücke rechts noch etwa 200 m am linken Ufer weiter, dann müssen wir über eine Böschung ins Flussbett hinuntersteigen. 


erste Geröllsperre mit ehemaliger Durchfahrt




zweite Geröllsperre

"Sprungschanze"

Der Wasserstand ist niedrig und wir können mal am trockenen Uferrand, mal von Stein zu Stein durch den Fluss gehen. Zwischen der zweiten und dritten Geröllsperre gibt es am linken Ufer wieder eine Piste, die wir aber erst auf dem Rückweg sehen. Wir kraxeln also über eine hohe Stufe aus mächtigen Felsblöcken. Danach sehen wir Strommasten und eine vermeintliche Piste am rechten Ufer, doch sie ist komplett zugewachsen. Wir bleiben im Flussbett - das lässt sich gut gehen - und erreichen die dritte und schließlich die vierte Geröllsperre.







dritte Geröllsperre

Das Flussbett windet sich, wird enger und über eine griffige Felsplatte geht es weiter bergauf, bis sich mittendrin ein kleines Wäldchen auftut. Als wir heraustreten, sehen wir zum ersten Mal den Wasserfall. Eine kleinere Kaskade, mit einem tiefen Poço davor, muss noch erklettert werden, dann öffnet sich das weite Rund im Talschluss. Zur Begrüßung fliegt uns zwar kein Patagorro (Atlantiksturmtaucher), aber immerhin eine große Möwe entgegen. Es ist eine zauberhafte Stimmung, so ganz alleine, umgeben von senkrecht aufragenden, grünen Wänden.

vierte Geröllsperre

steinere Zeugen des Vulkanismus









Der Weg zurück ist um einiges anstrengender, es geht ja nun bergab von Stein zu Stein, von Fels zu Fels. Manchmal rutsche ich auf dem Hintern, um mir nicht das Knie zu verdrehen, meist reicht aber auch Piet's helfende Hand oder ein kleinen Sprung. Wir sind uns jedoch einig, dass diese Tour entlang einer der Lebensadern Madeira's jede Mühe wert ist.

vierte Geröllsperre auf dem Rückweg

Zurück an der Tornos-Anlage beschließen wir noch einen kleinen Bogen zu machen und über den alten Treppenweg hinauf zum Caminho das Águas dos Tornos Altos zu gehen. Schon allein damit die Knie und Beinmuskulatur nochmal eine andere Bewegung erfahren. Für den Besuch der Quellstollen reicht die Kraft nicht mehr. Außerdem ist der eigentlich schöne Pflasterweg ziemlich zugewachsen und vernachlässigt.

Aufstieg von der Levada zum Caminho

oben Caminho - unten Levada 

Ponte do Pisão

Fazit: wunderschön und einsam, nicht gefährlich, aber nicht ganz einfach

Achtung: es gibt keinen Handyempfang im Flussbett und auch das GPS Signal ist sehr schwach

Länge: ca. 8 km hin und zurück

Gehzeit: 4 h

GPX: sehr ungenau