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20 März 2022

Prainha do Caniçal



Prainha - der einzige echte Sandstrand auf Madeira - winzig klein. Kurz bevor man die Halbinsel São Lourenço erreicht, zeigt ein großer Parkplatz, dass es hier zum Strand geht. Wäre nicht schlechtes Wetter, käme ich wohl nie auf die Idee mir dieses Fleckchen mal anzuschauen, denn der Parkplatz ist größer als der Strand, da kann sich jeder vorstellen, wie es hier bei Sonnenschein zugeht.

An einem windigen, regnerischen Märztag ist hier jedoch kaum jemand anzutreffen, die Strandbar hat geschlossen und wir können ganz in Ruhe herumstreunen. Der Blick von der kleinen Bucht nach oben überrascht: Hier wachsen Drachenbäume - Dracaena draco - Dragoeiros. Sie müssen wohl vor wenigen Jahren gepflanzt worden sein, denn sie sind nicht größer als jener in unserem Garten. Aber hier vermitteln sie einen Eindruck, wie es an der Südküste ausgesehen haben muss, bevor die Portugiesen die Insel anfingen zu besiedeln.

Die Drachenbäume sind heimische Pflanzen der makaronesischen Inseln. Eigentlich sind es keine Bäume, sondern zählen botanisch zur Familie der Spargelgewächse. Ihr Pflanzensaft, das "Drachenblut" enthält ein Pigment, das sehr begehrt war, bevor man tiefroten Farbstoff chemisch herstellen konnten. Durch das Ausbluten der Bäume, wurde die Art auf Madeira und Porto Santo fast vollständig ausgerottet. Um so erfreulicher, dass man jetzt wieder Exemplare außerhalb von Gärten und Parks finden kann.






noch ein paar Legenden und Wissenswertes zu den Dragueiros könnt ihr hier nachlesen:

https://www.madeiraallyear.com/de/die-drachenbaeume-auf-den-inseln-madeiras-unseren-drachentraenen/



21 Januar 2018

Cliffhanger

Levada do Caniçal - Boca do Risco - Pico das Roçadas - Levada do Caniçal - 14 km



Nach einer Kaffeepause, anschließend an die Besichtigung der Furnas do Cavalum, starten wir eine Nordküstentour am alten Caniçal-Tunnel. Die Idee über den Pico do Castanho zur Küste aufzusteigen haben wir allerdings verworfen: wir hatten auf Nachfrage erfahren, dass der Weg in einem schlechten Zustand sein sollte. Also gingen wir auf Nummer Sicher und nahmen den Klassiker entlang der Levada do Caniçal durch die Ribeira Seca und hoch zur Boca do Risco.

Levada do Caniçal

sehr beschaulicher Aufstieg

Schutzhöhle an der Boca do Risco

Das Wetter war ok, kein Regen, kein Sturm, freie Sicht, also trauten wir uns, trotzdem es schon nachmittags 3 Uhr war, die Vereda Boca do Risco -  Caniçal weiterzugehen. Das heißt, wir sind von der "gefährlichen Öffnung" nicht den bekannten Weg Richtung Westen nach Larano weitergewandert, sondern nach Osten abgebogen. Das beginnt auch erstmal ganz harmlos - hinter der Klippe!


Danach geht es spektakulär weiter. Diese Strecke ist absolut unglaublich! Sie führt fast durchgängig auf dem Grad an der Steilklippe entlang, die Aussichten sind phantastisch. Der Pfad ist in einem guten Zustand, sieht fast so aus als wäre er frisch präpariert worden. Allerdings sind die Abstiege naturgemäß auf dem roten Lehm sehr glatt und rutschig. Vorsicht ist also geboten. 


















Der Weg endet im oberen Teil des "Marsfeldes" durch das wir dann weglos bis zur Levada Nova do Caniçal weiter abgestiegen sind. 





Über die Levada haben wir dann die Runde bis zum alten Tunnel geschlossen.

Fazit: nix für schwache Nerven! Die Aussichten sind atemberaubend, doch die Strecke auf dem Grad, 500m hoch entlang der senkrecht abfallenden Klippe erfordert höchste Konzentration. Auf dem Rückweg über die langweilige Levada do Caniçal kann man sich von den gewaltigen Eindrücken erholen.



Gehzeit: 4 - 5 Stunden

Anfahrt: Funchal - Machico - ER 214 Richtung Caniçal - vor dem alten Tunnel parken - die Levada beginnt auf der linken Straßenseite

weitere Wandermöglichkeiten in diesem Gebiet:






10 Juni 2016

Eine kleine Abendwanderung



Eine Wanderung auf der Halbinsel São Lourenço gehört eigentlich zum Standardprogramm jeder ersten Madeira-Reise. Doch wer einmal erlebt hat, wie sich Menschenmassen im Gänsemarsch über die - inzwischen durchgehend gesicherten -  Felspfade schieben, möchte wahrscheinlich künftig lieber darauf verzichten. Schade, denn die Halbinsel São Lourenço mit seiner bizarren Felsküste, die sich wie eine schmale, zerklüftete Wüstenlandschaft ins Meer schiebt, gehört wohl zu den beeindruckendsten Teilen der Insel. Sie ist so anders, als das grüne Madeira, das man sich auf den Levadatouren erwandert.




Es lohnt sich also unbedingt gegen den Strom zu wandern, entweder sehr früh morgens oder spät abends. 
Letzteres ist eher unsere Zeit und wir parken unser Auto gegen 18 Uhr am Ende der Straße über der Baía d'Abra. An einem Sonntag im Mai ist das eigentlich noch zu früh - im Sommer auf jeden Fall -  denn es sind immer recht viele Leute auf dem Rückweg.


Einsamer wird es erst ab der Landenge bei Estreito. Wir steigen unterhalb des Casa do Sardinha über einen Treppenweg zum Steinstrand mit dem kleinen Anleger, Cais do Sardinha, ab - und sind alleine. Sonnig und windgeschützt lässt sicher eine stille Abendstunde verbringen.


Cais do Sardinha

Casa do Sardinha



Kurz nach Sonnenuntergang, den wir auf dem Rückweg nur andeutungsweise sehen, weil sich von Nordwest eine graue Wolkenwand davor geschoben hatte, sind wir am mittlerweile leeren Parkplatz zurück.




10 April 2014

São Lourenço



Vor drei Jahren waren wir im Januar zuletzt hier draußen am östlichen Ende der Insel und nun wollten wir die Wanderung noch mal im Frühling machen. Die schmale Landspitze ist jetzt noch zart grün, mit gelben und violetten Matten aus Hornklee und Levkojen zwischen einem Farbspiel aus Vulkangestein. 



Im Sommer wird sich in dieser kargen Landschaft, die gegensätzlicher zu dem Klischee der Blumeninsel nicht sein könnte, außer ein paar robusten Mittagsblumen und vorbei huschenden Eidechsen nichts mehr regen.


Heute ist es angenehm warm und nahezu windstill. Das Meer liegt glatt wie ein See um die Insel und leider lockt das nicht nur uns, sondern viele Wanderer hierher.
Verständlich, denn die Tour ist mittlerweile sehr einfach zu gehen. Über weite Strecken wandert man über neu angelegte Treppenwege, alle kritischen Stellen sind gut gesichert und die Ausblicke, die sich mal zur südlichen, mal zur nördlichen Küstenlinie ergeben, sind einfach atemberaubend. 



Wir begnügen uns heute damit, unsere Runde an der Casa do Sardinha, das wie eine Oase mit Palmenhain aus der kargen Landschaft heraussticht, mit einem Picknick zu unterbrechen und dann gemütlich zurück zu gehen.


Der steile Aufstieg hinauf zum Morro do Furado lohnt sich aber, wenn die Kondition und Trittsicherheit es zulässt. Der zweite Gipfel der Doppelspitze bietet ein spektakuläres Panorama über die beiden vorgelagerten Inselchen zum Leuchtturm auf der Ilhéu do Farol, zu den drei von Menschen unbewohnten Ilhas Desertas ( hier leben Mittelmeer-Mönchsrobben und Tausende von Seevögeln) und bei klarer Sicht bis zur kleinen Nachbarinsel Porto Santos.





Es empfiehlt sich, die Wanderung entweder in den frühen Vormittagsstunden oder am Nachmittag zu machen, um dem Hauptansturm von flipflop-Wanderern zu entkommen ( die gehen nämlich nur das erste Stück mit den bequemen Holztreppen)
Auf dem Rückweg lässt sich mit dem Auto noch ein kleiner Abstecher über eine schmale Straße zur Ponta do Rosto machen.


Auf diesem Plateau können wir die Naturgewalten heute nur erahnen, die zeitweise über den Atlantik heran rauschen und sehen, was die Stürme des Winters von Picknickplätzen übrig ließen.


Nirgendwo auf der Insel kann man die vulkanischen Ursprünge Madeiras besser studieren als an der zerklüfteten Ostspitze.