07 November 2026

Porto Moniz im November

Freud und Leid des Lebens mitten im Atlantik: während wir nachts noch dachten, dass sich das Meer über uns ausschütte, reißt am Vormittag die Wolkendecke auf, und der Himmel beschert uns ein Licht, das wir nur im November zu sehen bekommen. Nach einem Blick auf die Wettervorhersage suchen wir uns spontan den Ort mit den beständigsten Bedingungen aus,  werfen die Wanderstiefel ins Auto und landen mal wieder in Porto Moniz. Ein guter Garant für blauen Himmel in dieser Jahreszeit.



Und so machen wir eine Nachmittagsrunde zwischen den heftigen Schauern und angekündigten Sturmböen der nächsten Nacht: vom Miradouro de Santinho, wo die meisten Besucher nur anhalten, um runter auf Porto Moniz zu schauen, gehen wir auf den Veredas hoch nach Santa und weiter bis zur Levada do Moinho.




An der Levada folgen wir dem fließenden Wasser. Der begleitende Weg ist hier schon ziemlich matschig vom vielen Regen, so dass wir bald auf die Veredas wechseln, in Richtung Kirche von Lamaceiros. Der Kirchhof ist ein schöner Platz für eine Pause. Danach geht es in die Weinhänge der Quinta do Tico mit einer Umrundung des Calderão. 


Eukalytus"gerippe" zeugen immer noch von den verheerenden Bränden im Oktober 2023





Aussichtsreich ist der Abstieg über die Fajã do Barro hinunter zur Mündung der Ribeira da Janela. Hier hat sich die erste Zipline auf Madeira etabliert. Zum Glück ist am späten Nachmittag kaum noch Betrieb.







Entlang der Estrada Antiga gehen wir mit schnellem Schritt zurück nach Porto Moniz, auch wenn der Blick auf die fünf Felseninselchen, wie sie aus dem selten so ruhigen Wassen ragen, wirklich faszinierend ist. Wir beruhigen uns ob der vielen Steine, dass alles, was locker war, bestimmt schon letzte Nacht heruntergefallen ist. In Porto Moniz selbst halten wir uns auch nicht lange auf. Der Ort hat außer seinem wirklich tollen Schwimmbad gar nichts Reizvolles mehr, und wir drehen den vielen Parkplätzen den Rücken. Durch die steilen Weinterrassen steigen wir zum Caminho da Ladeira hinauf und über einen ausgeschilderten Shortcut zurück zum Miradouro de Santinho.






Fazit: eine entspannte Nachmittagswanderung mit viel Ruhe und Genuss 








25 Oktober 2026

Im Laurissilva zwischen Boca da Encumeada und Pico do Ferreiro

Die vermutlich letzte Tour von meiner bucket list 2026: Ich wollte für den Aufstieg von Chão dos Louros zum Sattel des Pico do Tapeiro unbedingt einen sonnigen Tag und wolkenfreien Himmel. Irgendwie passten die Bedingungen und meine Wanderzeiten nie so richtig zusammen. Hätte es gestern in den Bergen nicht so kräftig geregnet, wäre der Tag heute fast perfekt gewesen. Durch die Nässe war es ein bisschen schwieriger. Im Aufstieg wegen des durchgeweichten Waldbodens, im Abstieg wegen der rutschigen Stufen. Trotz alledem war es ein beglückendes Wandererlebnis.

Wir beginnen die Wanderung morgens am Posto Florestal etwas oberhalb von Chão dos Louros. Noch tropft es von den Bäumen und die Farne hängen nass und schwer im Weg. Die Waldluft ist unglaublich Energie spendend.






Es gibt viele undeutliche Pfade zwischen der Boca da Encumeada und Chão dos Louros, und mit einiger Ortskenntnis ist es letztendlich egal, welchen wir gehen, bis wir auf den eindeutigen Abzweig für den Aufstieg treffen. Danach kann man den Weg bis zur Felswand des Tapeiro nicht mehr verfehlen, denn es geht mehr oder weniger steil auf einem Bergrücken gerade hoch, vorbei an mächtigen Lorbeerbäumen.








Nach der Seilstelle über eine sehr glatte Felsplatte, beginnt die Kraxelei. Und jetzt ist die Nässe echt unangenehm: ist der Boden weich, dann rutscht er unter den Stiefeln weg; ist er felsig, gibt es weder für die Hände noch für die Füße guten Halt. Das erfordert ziemlich viel Konzentration und ist ein bisschen Adrenalin lastig. Das hat den Vorteil, dass ich nichts von meinem zwickenden Knie spüre.










Nach zwei Stunden Aufstiegszeit treten wir auf den sonnigen Sattel des Tapeiro hinaus und genießen selig das 360° Panorama. 




Wir sind jetzt auf der Vereda da Encumeada, dem PR 1.3, und steigen nach einer gemütlichen Pause zum Pass ab. Auf den zwar breiten, aber ziemlich rutschigen Stufen meldet sich das Knie zurück und wir beschließen, die Runde über den Caminho do Norte, den PR 21, abzuschließen. Der ursprüngliche Plan war, noch eine Schleife über den Pico dos Ferreiros und die Vereda do Rosto Branco zu machen. Ein anderes Mal!











Fazit: eine kurze, aber anspruchsvolle Runde für Wanderer mit Erfahrung auf den wilden Wegen Madeiras

Höhendifferenz: ↗↘ 470 m











22 Oktober 2026

Durch die Bananenterrassen von Madalena do Mar

Die Steilhangterrassen über Madalena do Mar sind für mich die eindrucksvollsten Bananenanbaugebiete auf Madeira. Unter einer 400 m hohen Felswand, die Schutz vor kaltem Nordwind bietet und einen idealen Wärmespeicher darstellt, reihen sich die Bananen auf schmalen Feldern, beinahe senkrecht zur Küstenlinie. 

Im letzten Winter kamen Sturm und Regen für die Bananen jedoch von der "falschen" Seite. Nicht nur, dass die Stauden mit ihren bis zu 50 kg schweren Fruchtständen umlgerissen wurden, sondern massive Felsabbrüche und Erdrutsche zerstörten viele der Anbauterrassen.

Wir wagten uns zunächst nicht mehr zum Wandern in diese Hänge, solange sich Felsmassen und Erdreich nicht stabilisiert hatten. Nachdem wir über den Sommer von unten beobachten konnten, wie sich Pflege und Ernte der Bananen normalisiert haben, machten wir Ende Oktober erstmals wieder eine kleine Runde.


unter dem Bananenlift auf der Vereda da Levada da Madalena

der freigeschnittene Schilftunnel


eine der zerstörten Schneisen mit großen Felsbrocken


die abgerutschten Hänge werden mit Kürbispflanzen vor weiterer Erosion geschützt



die Wege sind noch nicht überall wieder mit den kleinen Kettenfahrzeugen befahrbar

Abstieg mit Blick auf die Siedlung Anjos


einfache Blechdächer schützen vor den Wasserfällen

paradiesische Ferienanlage "Canto das Fontes"


Auf dem Rückweg über die alte Küstenstraße kommen wir noch an der Capela de Nossa Senhora dos Anjos vorbei. Mehr dazu im Blog: caminho-real-23




Fazit: Die höhergelegenen Bananenwege sind wieder begehbar und sicher. Im Gegensatz zu den offiziellen Spazierwegen durch die Gärten an der Küste, die als Rotas de Bananas ausgeschildert sind, bieten sie tolle Aussichten entlang der Südwestküste.