21 November 2016

Wanderung auf antiken Spuren




"Die pittoreske Gegend von Rabaçal mitten im Inselinneren, auf einer Höhe von 1000 m und etwa 15 km entfernt von Calheta Vila wurde vor wenigen Jahren mit einer guten Straße erschlossen. … Seit frühesten Zeiten der Besiedlung hatte diese Region eine hohe Anziehungskraft, nicht nur wegen der Schönheit der Natur, sondern hauptsächlich wegen ihres Wasserreichtums, der sich ungenutzt in den Ozean ergoss. Man kann sich kaum vorstellen, wie viele Versuche es in den ersten Jahrhunderten gab, dieses Wasser zu nutzen."
Die ersten gesicherten Belege dazu gibt es erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. Am 8. Oktober 1768 wird der Ingenieur Francisco de Alencourt mit einer Planung beauftragt, wie "auf einfachstem Wege die vielen Flüsse zur Bewässerung der Bezirke Canhas, Arco da Calheta, Estreito, Prazeres, Fajã da Ovelha, Ponta do Pargo bis Porto Moniz oder soweit wie möglich zu nutzen wären."
Bis das erste offizielle Dokument zum Verlauf und den Kosten einer Levada vorliegt, vergeht mehr als ein halbes Jahrhundert. 1835 wird mit den Arbeiten begonnen, die "von der Quelle der Ribeira da Janela bis zum Monte Estrebarias" zwanzig Jahre dauern - mit mehreren Unterbrechungen bedingt durch politische Unruhen und Geldmangel.
"Wir können einen unvergesslichen Tag in der Geschichte der Arbeiten von Rabaçal festhalten - es ist der 16. September 1855 - als das Wasser zum ersten Mal durch den Tunnel von Estrebarias floss, vom Norden in den Süden der Insel, um die Brachflächen in fruchtbares Ackerland zu verwandeln."
(Auszug aus dem Elucidário Madeirense von 1940)


Diese Geschichte von der Levada velha do Rabaçal und Fundstücke, die belegen, dass diese alte, stillgelegte Levada noch zu bewandern wäre, hat mich neugierig gemacht, denn wir kennen bislang nur das kurze Stück vom Risco Wasserfall bis zu den Rabaçal-Häusern.  Die märchenhafte Region Rabaçal und ihre traumhaften Levada-Wanderstrecken sind ja leider so hoffnungslos überlaufen, dass wir dort lieber unbekannte Strecken erkunden. 

Wir nehmen als Start den Rastplatz an der Estrada Regional 211 ( ehemals eine gute Straße, wie oben berichtet, heute nicht mehr als eine asphaltierte Schlaglochpiste, die jeden Kleinwagen auf eine harte Probe stellt). Von dort führt ein markierter Wanderweg "PR 6 - 25 Fontes" zum Reitertunnel (dem sehr viel später erbauten Durchgang für das gesammelte Wasser von Rabaçal). Wir durchqueren den 800 m langen - zur Zeit sehr nassen - Tunnel und steigen ca. 50 m nach dem nördlichen Ende einen schmalen Saumpfad rechts bergauf. An der nächsten Wegkreuzung halten wir uns rechts und gehen bei der folgenden abzweigenden Beschilderung einfach geradeaus weiter. Das trockene Levadabett ist schon nach wenigen Metern erkennbar. Breit, und bequem zu laufen, zieht sich der Weg zunächst Richtung Osten.


Erst mit der Überquerung der alten Levadabrücke über die Ribeira do Alecrim erreichen wir den Südhang des Janelatals. Wir sind sehr erstaunt über den guten Zustand der mehr als180 Jahre alten, und seit Jahrzehnten stillgelegten Levada in diesem fast undurchdringlichen Urwald. Nicht nur das breite und tiefe Levadabett ist über weite Strecken gut erhalten, auch der begleitende Weg, der in einer ungewöhnlichen Breite, gestützt durch Aufmauerungen zum steilen Abhang, kaum ausgesetzte Stellen aufweist.

Levadabrücke

nur die Abdeckung des Kanals ist etwas brüchig


Ribeira do Alecrim

Die weitere Wegführung wechselt zwischen einfachem Wanderweg und schwieriger begehbarem Terrain, fast immer unter dem "Dach" der knorrigen Baumheiden. 




Nur selten öffnet sich der Wald und gibt den Blick frei über die Serra. Dann aber umso imposanter.


"Mutter-Kind"-Tunnel

Nach den kurzen Felstunneln wird es ein bisschen spannend, und mehr als einmal erweist es sich von Vorteil, dass die Levada trocken ist. Damit brauchen wir uns nicht zwischen balancieren oder klettern entscheiden - einfach rein ins Levadabett und an sicherer Stelle wieder heraus!





Der folgende Tunnel ist schon so hoch und breit, dass er ein Pferde- oder Ochsengespann durchlassen würde. Und kurze Zeit später stehen wir dann vor dem Eingang des Estrebarias-Tunnels. Man kann nur spekulieren, warum man diesen Tunnel, der ja eigentlich nur Wasser durchleiten sollte, in dieser Höhe erbaut hat: für den Levadabau? für eine spätere Nutzung mit Fahrzeugen?


Wir kehren an dieser Stelle um und nehmen nach etwa 100 m einen ansteigenden, angenehm zu gehenden Pfad, der uns bis zur ER 110 auf die Serra führt. Hier noch ein Blick zurück über das sonnige Janela-Tal, bevor wir nach Osten an der breiten Trasse entlang der Straße Richtung Pico Gordo wandern. Gleich nach dem Schild (Pico Gordo) zweigt ein Wirtschaftsweg nach Süden ab.


Damit müssen wir zwangsläufig durch das Brandgebiet vom August 2016. Hier oben sehen die Hügelkuppen noch immer aus, als würden wir durch Kohlenhalden laufen. Wir wählen deshalb den kürzesten Weg zurück zum Parkplatz über die Kopfsteinpflasterstraße.


Fazit: Eine geschichtsträchtige Wanderung auf einsamen Wegen. Es gibt entlang der Levada keine Sicherungen, die ausgesetzten Stellen sind aber gefahrlos durch das Levadabett zu passieren, die Wegführung ist eindeutig und fast durchgehend ausgeholzt. Nur auf dem letzten Levada-Kilometer muss man etwas unter und über die Stämme der Baumheiden turnen.

Gehzeit: 3 1/2 Stunden

Anfahrt:  Via Expresso VE 3 - Calheta Kreisel - Ausfahrt Rabaçal - Estrela - weiter den Schildern Rabaçal folgen bis zur Wandertafel des PR 6 und PR 6.1 am Rastplatz im Wald 





20 November 2016

Madeira ist ein Traum - Das neue Madeirabuch


4. Leseprobe

Noch im gleichen Jahr kamen wir wieder, verliebten uns in ein altes Natursteinhaus und wurden im dritten Urlaub Hausbesitzer.
Madeira ist ein Traum!

Abreise am 5. Januar, mein Gott, sind wir aufgeregt!
Madeira empfängt uns spät abends mit lauer Luft. Am nächsten Tag, bevor wir uns in die Formalitäten begeben, möchte ich bei einem Morgenspaziergang von der Ferienwohnung zu unserem Haus erst mal richtig ankommen. Die Vögel singen zur Begrüßung in den Eukalyptusbäumen und die Zitronen leuchten in den blauen Himmel.

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16 November 2016

Madeira ist Überraschung - Das neue Madeirabuch


3. Leseprobe

Nach unserem Abenteuer lassen wir es etwas ruhiger angehen mit einem Spaziergang in den Bergen.
Madeira ist Überraschung!


Der nächste Tag beschert uns einen wolkenlosen Himmel und freien Blick in die Berge – zum ersten Mal seit unserer Ankunft. Klar, dass wir eine Tour oben, auf der Hochebene Paúl da Serra, in Angriff nehmen. Mit unserem etwas untermotorisierten Kleinwagen schaffen wir die Steigung der ziemlich ruppigen Straße gerade mal im ersten Gang.

zum Weiterlesen oben anklicken auf "Das neue Madeirabuch"



11 November 2016

Madeira ist Abenteuer - das neue Madeirabuch



2. Leseprobe

Wir verbringen nach unserer Ankunft einige schöne Tage in Funchal, die durchaus das Klischee des beschaulichen Rentnerreiseziels bestätigen. Aber mit unseren Fahrten über die Insel und unserer allerersten Wanderung wird dieser Eindruck ganz klar widerlegt. 

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10 November 2016

Durch den Lorbeerwald




Wo kann man wandern, nach tagelangen, ergiebigen Regengüssen, ohne auf matschigem Untergrund eine Talfahrt zu machen oder wegen Stein- und Erdrutschen zum Umkehren gezwungen zu werden?

auf der Vereda do Fanal - Wanderweg PR 13

Als morgens der Himmel wie frisch gewaschen aussieht, entscheiden wir uns für die Hochebene. Wir haben mal wieder zwei Autos, weil wir mit Freunden unterwegs sind, und wollen von Paúl da Serra zum Fanal laufen. Die 11 km lange Strecke kennen wir bereits in Teilstücken, der Weg ist gut beschildert und deutlich ausgetreten, sodass uns aufziehende Wolken kein Orientierungsproblem bereiten werden.



Nachdem ein Auto am Forsthaus Fanal abgestellt wurde, starten wir an der ER 209 an der Wandertafel. Der Weg beginnt auf der Südseite mit einem langen Abstieg über Holzstufen durch einen dichten, herbstlichen Niedrigwald aus Baumheide, Madeira- Heidelbeere, Farn, Moosen und Flechten. 


Wenn der farbenprächtige Bewuchs den Blick freigibt, sehen wir hinter uns im Osten Paúl da Serra mit seinen Windrädern und im Süden die Bergflanken des Rabaçal-Gebiets mit den kräftigen Wasserfällen, die sich ins Ribeira da Janela Tal ergießen. 



Nach 1,5 km queren die Straße um weiter an der Nordseite den Pico Fajã da Lenha zu umrunden. Hier ist der Weg weniger eindeutig, weil das welke Laub der hohen Lorbeerbäume den Waldboden gleichmäßig bedeckt. Quer gelegte Äste und Steinmännchen markieren hier die Wegpunkte.



An einem Grillplatz angekommen wird die Straße zum zweiten Mal überquert. Jetzt laufen wir durch eine offene Landschaft mit weitreichenden Ausblicken über die südliche Flanke der Serra. Bisher war die Beschaffenheit des Wanderpfads einwandfrei: keine Pfützen, kein Matsch. Der Abstieg durch ein Bachbett bleibt uns erspart durch eine neue, richtig stabile Brückenkonstruktion. Zwei kleinere Rinnsale, die unseren Weg kreuzen sind mit zwei, drei großen Schritten zu queren.





Die dritte Straßenquerung bringt uns wieder in den "Laurisilva do Til". An den steilen Nordhängen im Westen der Insel gedeiht eine große Vielfalt von endemischen Bäumen. Lorbeerbaum, Stinklorbeer und Maiblumenbaum dominieren hier die Flora. Riesige bemooste Steinbrocken zeugen von einem Felssturz gewaltigen Ausmaßes - vor langer Zeit. Ein Madeira Buchfink begleitet uns ein Stück des Weges durch diesen zauberhaften Märchenwald.




Als wir aus dem Wald auf einen breiten Forstweg heraustreten, haben sich dichte Wolken auf den Berg gelegt, typisch Fanal! Den Aussichtspunkt Fio können wir uns damit schenken, wir sind froh unseren weiteren Weg zu sehen - und die großen Pfützen, denen wir dann doch noch begegnen. Einen abschließenden Streifzug zu den uralten Baumriesen und dem kleinen Kratersee lassen wir bleiben, denn ganz plötzlich wird aus Wolkengeniesel ein Wolkenbruch. So schnell, dass wir schon nass sind bevor die Regenjacken aus dem Rucksack geholt haben. 



Aber da steht ja glücklicherweise schon das zweite, trockene Auto - und alles ist gut!




Fazit: 
Eine wunderschöne, abwechslungsreiche Strecke für jeden, der gerne zu Fuß geht. Man wandert meist in einem gemächlichen Auf und Ab tendenziell abwärts (300 Höhenmeter). Die Wegstrecke lässt sich an fünf Punkten verkürzen: zwei Abzweigungen und drei Querungen der wenig befahrenen ER 209 

Gehzeit: 4 Stunden




Anfahrt: 
Arco da Calheta - Loreto - der Beschilderung Rabaçal folgen bis zur ER 105(110) - dann rechts Richtung Funchal bis zur nächsten Kreuzung - hier links Richtung Fanal auf der ER 209

weitere Posts zu diesem Thema:

http://paradies-goes-madeira.blogspot.pt/2016/08/wandern-auf-der-serra.html

http://paradies-goes-madeira.blogspot.pt/2016/06/und-immer-wieder-lorbeerwald.html

http://paradies-goes-madeira.blogspot.pt/2016/05/drei-frauen-allein-im-wald.html

http://paradies-goes-madeira.blogspot.pt/2014/10/fanal-der-feenwald.html

04 November 2016

Das neue Madeirabuch



Seit nun beinahe sieben Jahren schreibe ich von und über Madeira. Vieles davon konntet ihr bisher in diesem Blog lesen. Nun habe ich unsere Erfahrungen und Erlebnisse in einem Reisebuch zusammengefasst. Es wird ab Dezember 2016 im Buchhandel als Taschenbuch, aber auch digitale eBook-Version erhältlich sein. Bis dahin könnt ihr schon mal reinschnuppern. Ich stelle auf der Seite "Das neue Madeirabuch" (oben in der Kopfleiste anklicken!) in den nächsten Wochen immer mal wieder Auszüge aus verschiedenen Kapiteln vor.

01 November 2016

Und schon wieder eine Küstenwanderung



Diesmal auf der Nordseite, denn ihr wisst ja, dass wir es möglichst sonnig lieben. Und der Wetterbericht sagte uns, dass wir das im Nordosten ganztägig haben werden.
Und wenn wir uns schon den "weiten" Weg antun, dann soll es sich auch lohnen. Also planen wir ca 6 Stunden und ungefähr 20 km ein, um folgende Tour zu wandern:

Portela - Vereda das Funduras - Larano (um den Pico da Coroa) -Pico do Furado - Boca do Risco - Vereda do Larano (Nordküstensteig) - Porto da Cruz



Wir starten also in Portela auf dem PR5 auf einem breiten Forstweg - im Slalom, denn der Regen der vergangenen zwei Wochen hat hier riesige, tiefe Pfützen hinterlassen. Nach etwa einer halben Stunde können wir endlich in den "Urwald" abtauchen. Ein schmaler Pfad führt an einem Hang entlang durch Reste des ehemaligen Lorbeerwalds, der inzwischen mit vielen Eindringlingen durchsetzt ist: Baumfarne, Kiefern, Akazien, Eukalyptus vermitteln Dschungel-Feeling.



Ziemlich matschig geht es bis zur Casa das Funduras weiter durch die vielfältige  Vegetation mit Ihren tausend Grüntönen.






Dann gibt es eine kleine Pause mit einem phantastischen Ausblick auf die Silhouette des Zentralmassivs.


Wieder auf einem breiten Forstweg ( der kleine Abstecher abwärts war nicht geplant, wir waren uns nur nicht ganz einig über den Wegverlauf!) umrunden wir den Pico da Coroa. Dann sehen wir unter uns den Schnitt im Steilhang. 
"Das wird unser Weg nach Porto da Cruz sein! " 
"Oh, das sieht ja spannend aus", geben unsere Freunde zu bedenken.


Ein kurzer Anstieg bringt uns auf den Kamm, der knapp 300 m höher, parallel zum Nordküstensteig verläuft. Und dann geht's bergab. Mehr oder weniger senkrecht! Springen? Rutschen? Oder doch vorsichtig absteigen? Wir entschließen uns vernünftigerweise für Letzteres. Piet wundert sich immer noch, wie er diesen Abschnitt ohne Blessuren beim MIUT gemeistert hatte.





auf dem Foto sieht es eigentlich ganz harmlos aus...

Endlich am Boca do Risco "gelandet", brauchen unsere Mitwanderer dringend eine Pause. Es liegen ja noch einige Kilometer entlang der Steilküste vor uns. 
Es ist ein perfekter Tag für diese Wanderung: warm, sonnig, kein Wind. Das "Nordmeer" ist ruhig und glatt. Ja, es liegt fast wie ein großer See vor uns. 



Wir wissen von unserer letzten Tour, dass der Küstensteig mit Aufmauerungen und Geländern an den kniffligen Passagen gesichert wurde. Bisher haben alle Stützen und Seile den Anfechtungen der Natur widerstanden, man kann immer noch sehr sicher diese spektakuläre Strecke entlang wandern und sich an der botanischen Vielfalt erfreuen, die sich aus dem Gestein heraus zwängt.







Wir werden auf unserem Weg begleitet von einem wunderschönen Zwei-Master-Segelschulschiff unter niederländischer Flagge, das in der Bucht von Porto da Cruz einen ruhigen Ankerplatz ansteuert.







Die folgende Teerstraße meidend folgen wir mal der einen, mal der anderen Feldlevada, bis wir über Betonstufen hinunter an den Strand steigen. Über die hier mündende Ribeira da Maiata kommt man von Stein zu Stein in wenigen Schritten, und dann ist es nicht mehr weit bis zur erlösenden Kneipe in Porto da Cruz. Selten schmeckte ein Shandy ( = Radler o. Alsterwasser) so gut, wie nach 20 km 
uphilldown.

am Strand von Porto da Cruz im letzten Abendlicht


Fazit: 
Der erste Part ist eine einfache Wanderung durch den Lorbeerwald ( vgl. Rother Wanderführer Nr  16.
 Der mittlere Teil vom Casa das Fundaras bis Boca do Risco ist eher für Bergziegen geeignet. 
Die letzte Strecke ist für Wanderer ohne Höhenangst die vermutlich schönste Küstenwanderung überhaupt ( Rother Nr. 14)

Gehzeit: 
je nach Kondition 5-7 Stunden

Anfahrt: 
Funchal - Machico - Richtung Santana - Ausfahrt Portela
In Portela kann das Auto stehen bleiben, Rückfahrt mit einem Taxi von Porta da Cruz ( oder, wenn man mit zwei Fahrzeugen kommt, ein Auto in Porto da Cruz abstellen)





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