13 November 2017

Kastanienfest in den Bergen - Festa da Castanha da Serra



Immer noch ein Geheimtipp!
Das Kastanienfest, das im November hoch in den Bergen der Gemeinde Campanario veranstaltet wird, war in diesem Jahr vom Wettergott gesegnet. Bei schönstem Sonnenschein fand am Vormittag auf der Lichtung im Kastanienwald eine Messe unter freiem Himmel statt. 

Der Altar der Waldkirche am Ende der Messe

Währenddessen wurden schon die Öfen angefeuert, um die Kastanien zu rösten. Die Kastaniensuppe dampfte in großen Kesseln, Kastanienbrot und -kuchen waren aufgebaut. Kastanienponcha wurde ausgeschenkt? Man traf sich zum Mittagessen.






Die Besucherzahl ist um die Mittagszeit noch recht überschaubar
Wir wollten noch ein bisschen laufen. Die Idee war, bis Boca da Corrida und über Chão dos Terreiros zurück zu wandern. Das mussten wir aber schnell verwerfen, als wir beim Forsthaus Trompica die Brandschäden des Sommers sahen. Zum Glück konnten die Kastanienbäume unterhalb von Trompica weitgehend gerettet werden.
Also sind wir auf den westlichen Hängen direkt zum höchsten Punkt der Serra gestiefelt, haben uns ins Gras gesetzt und uns viel Zeit genommen, um die einmalige Kulisse und vollendete Stille an diesem herrlichen Platz auszukosten. Es fiel - wie immer - schwer, von dort wieder wegzugehen.

verbrannte Erde bis Boca da Corrida
 zum Vergleich: so sah es hier im letzten Sommer aus:

http://paradies-goes-madeira.blogspot.pt/2016/06/grun-gelb-blau.html

die zentrale Bergkette im Norden



Am späten Nachmittag trafen wir auf der Festwiese auf gute Stimmung. Viele Besucher hatten ein Instrument dabei und machten in spontanen Gruppen Musik, einige tanzten. Die klassischen Spiele, Kreiseln und Seilspringen, begeisterten jung und alt. Ein Fest, so schlicht, so fröhlich und frei von Kommerz - einfach schön!




blauer Kastanienhimmel


Wo das ist? Chão do Boieiro, unterhalb dem Forsthaus Trompica zwischen Fontes und Lugar da Serra

Wie man hinkommt? Funchal - Campanário - Lugar da Serra - dann der aktuellen Beschilderung folgen

Wann? Einmal sonntags im November

07 November 2017

Ponta do Sol - ganz oben

Rundwanderung: Cova Grande, Levada da Bica da Cana, Fonte Grande, Ladeiras, Lombo Grande, Levada Seca do Arrebentão, Levada da Bica da Cana, Cova Grande - 9,5 km

November, der Sommer ist vorbei und die Wolken bestimmen wieder das Wandergebiet. Laut Ciimar-Madeira ist die größte Chance auf Sonne oberhalb von Ponta do Sol.
Wir starten beim Forsthaus Cova Grande auf der Levada da Bica da Cana Richtung Osten. Die Levada ist immer noch trocken und die Hänge sind auch ein Jahr nach den verheerenden Bränden trostlos anzuschauen. Auf 1300 m erholt sich die Natur sehr viel langsamer als in den tieferen Lagen. Die wenigen Kühe, die hier weiden sind mager und bekommen zusätzliches Futter gebracht (Bananstauden und spanisches Rohr). 
Wir kommen an der imposanten, allein stehenden Kiefer vorbei, die den Bränden wundersamerweise getrotzt hat und verlassen kurz darauf die Levada, um über die alte Pflasterstraße eine knappe Stunde Richtung Ponta do Sol hinunter zu gehen. 

verschüttete Levada

Pflasterweg

Picknickplatz bei Fonte Grande

Kurz vor Ladeiras schwenken wir nach rechts und umrunden eine gepflegte Einsiedelei auf dem Lombo Grande. 


Einsiedelei in der Eukalyptuslichtung mit Hortensienallee und Obstplantage

Wir kommen auf die Pflasterstraße in der Nähe des beabsichtigten Aufstiegs über den Arrebentão zurück und müssen erstmal ziemlich genau schauen, wo es losgeht. Ein paar ausgewaschene Erdstufen erweisen sich als richtig, denn bald darauf entdecken wir auf Steinen weiße Pfeile. Der Pfad geht zwischen den Resten einer alten Vertikallevada steil durch den Eukalyptuswald an der Westflanke des Tals der Ribeira da Ponta do Sol nach oben. 

Einstieg zur verfallenen Levada Seca


Eukalyptus-Dreistamm mit Brandwunden

Esskastaniensprösslinge

hier deutlich erkennbare Reste der Levada Seca mit Wegweisern

Dort wo der Wald aufhört, wird es richtig schön, zumal der Himmel wieder aufreißt und tolle Aussichten auf Paúl da Serra und die gegenüberliegende Talseite preisgibt.





Nachdem wir eine kleine Felsnase überklettert haben, geht es nach links weiter nach oben - dank des niedrigen Bewuchses deutlich erkennbar - in Richtung eines Viehzauns. Den können wir über eine Leiter übersteigen. Er dient weiterhin als gute Orientierung auch bei aufkommenden Wolken. So gelangen wir über den Sattel an den Ausgangspunkt unserer Talschleife  und gehen über die Levada da Bica da Cana zum Parkplatz bei Cova Grande zurück.



Mini-Wespenbau

auf dem Arrebentão




Fazit: interessante Runde, die im Frühsommer sicher reizvoller sein wird.

Achtung: nicht bei starkem Wind (Ast- und Baumbruchgefahr!) und nicht bei schlechtem Wetter (schwierige Orientierung an der Flanke) gehen



Gehzeit: 3 Stunden
Höhendifferenz: 460 m




Anfahrt: Funchal - Ponta do Sol - Canhas - ER 209 Richtung Paúl da Serra bis zum Forsthaus Cova Grande

die Levada Bica da Cana vor den Bränden.



04 November 2017

Ponta do Pargo

Romantischer können Sonnenuntergänge kaum sein.



Am westlichsten Ende der Insel erhebt sich über einem knallweißen Gebäude Madeiras kleinster Leuchtturm. Unter ihm sitzt ein 375 m hoher Fels, der senkrecht ins Meer fällt. 
Kommt man bei Tage, ist das kleine Leuchtturmmuseum geöffnet, den Turm selbst darf man nur besichtigen, wenn man mit dem Museumswärter gut befreundet ist oder jemanden kennt, der jemanden kennt, usw.




Bei klarem Himmel ist das vielfach gespiegelte Licht des Turms 160 km weit zu sehen


Blick nach Süden

Blick nach Norden


Wirklich reizvoll wird es hier aber erst später am Tage, wenn die Sonne ihr Untergangsspektakel aufführt. Auf der Klippe finden sich Abend für Abend Romantiker ein, die sich das Szenario der schillernden Unendlichkeit des Atlantiks nicht entgehen lassen wollen.



Was man sonst noch so machen kann in Ponta do Pargo:

Einen Poncha im Casa do Chá am Miradouro do Fio trinken. Es gibt auch Tee, Kaffee und Kuchen und leckere Sandwiches.

Im Restaurante O Farol auf der Terrasse Fisch essen, z.B. frisch gefangenen Pargo oder Tunfisch am Lorbeerspieß.

Eine Wanderung zum Garganta Funda oder zur Capela de Nossa Senhora da Boa Morte unternehmen.

Am Sonntag Nachmittag den Kreiselmeisterschaften zuschauen. Das alte Kinderspiel mit den Holzkreiseln ist hier Männersport.

Da man 2016 die Regionalstraße endlich neu asphaltiert hat, ist die Fahrt über die kurvenreiche Strecke auch längst kein Angriff mehr auf Mensch und Maschine. Es lohnt sich also den Weg in den Westen auf sich zu nehmen.

03 November 2017

Nachmittagskonzert

Der Verein Ecomusicals hatte Ende Oktober zum vierten Konzert der Saison wieder in den Calhau von Achadas da Cruz eingeladen. 


Lag es an den hochsommerlichen Temperaturen oder an der Uhrzeit? 
Es war diesmal eine ganz kleine, intime Veranstaltung. 
Für diejenigen, die mit dem Teleférico die Klippe hinunter schwebten, um den Nachmittag am Strand zu verbringen, war es wunderbar.






Die Atmosphäre, die Stimme der Sängerin, der Ort, das Wetter ... Einzigartig!



Und zum Abschluss machten wir wie immer einen Spaziergang durch die Gärten. Es wird nicht mehr viel bewirtschaftet, doch einige der Hütten wurden mittlerweile als Wochenendhäuschen hergerichtet. Statt Gemüse und Kartoffeln grünt nun Rasen, versteckt zwischen Schilf und Windzäunen aus Baumheide.


Die Bewässerung geschieht weiterhin über Levadas, die Trinkwasserbrunnen, wie hier am Lastenaufzug mit Madonna wurden restauriert.




Für einen Aufstieg durch das Tal der Ribeira do Tristão war es diesmal zu heiß.

22 Oktober 2017

auf Erkundungstour


Regen im Norden und tiefhängende Wolken auf Paúl da Serra am Wochenende. Es wird herbstlich auf Madeira. Also bleiben wir zum Wandern wieder küstennah im Süden. Und weil mich ohnehin die Frage von vor ein paar Wochen umtreibt, wie man denn von Maloeira zum Miradouro von Raposeira kommt (bei der letzten Wanderung in diesem Gebiet konnte ich einen Weg durch das Tal der Ribeira da Cova nur erahnen), wollen wir diese Passage mal genauer erkunden. 


Blick vom Lomba da Rocha nach Raposeira do Lugarinho

Start ist das Hotel Jardim Atlântico in Prazeres. Der Wanderweg PR19 gilt zwar als gesperrt, weil Ausbesserungsarbeiten gemacht werden sollen, doch wir wollen ja nicht bis Paúl do Mar absteigen, sondern im oberen Drittel nach rechts in das Tal der Ribeira Seca abzweigen. 


Teil des Barfuss-Pfads

Wir drehen vor dem Abstieg, sozusagen zum Einlaufen, noch eine Runde über den hoteleigenen Barfusspfad, dann steigen wir den steilen Pflasterweg etwa eine Viertelstunde bergab. Der Abzweig Richtung Maloeira ist ausgeschildert und führt nach etwa 50 Metern in einen kurzen Tunnel. Auf der anderen Seite sehen wir die beiden Schluchtarme mit zur Zeit dünnen Wasserfällen, dazwischen liegt der Lombo da Velha, über den wir Richtung Maloeira aufstiegen wollen. Die Bachquerung ist im Spätsommer mit zwei Schritten erledigt. Das sah schon mal ganz anders aus (nach heftigen Regenfällen im Winter)

falls sich die Ribeira Seca an der Furt so präsentiert, sollte man es lieber sein lassen

Und auch die Unterquerung des Felsblocks ist mittlerweile im aufrechten Gang machbar. Während des weiteren Aufstiegs halte ich Ausschau nach einem Weg, der links abzweigt um durch das Bett der Ribeira Cova und damit zum direkten Aufstieg zum Miradoura da Raposeira zu kommen. 




Rückblick in die die Schlucht der Ribeira Seca

Einen nicht ganz eindeutigen Wiesenpfad verlassen wir nach ein paar Schritten wieder und steigen den Hohlweg weiter nach oben, bis wir auf das erste Haus treffen. Dort weist ein Schild Richtung Raposeira entlang einer kleinen Levada. Wir folgen ihr durch die Äcker bis zum nächsten Fahrweg und halten uns entsprechend einer blauen Markierung links. 
Nach etwa 200 m wird es unübersichtlich. Der befestigte Weg endet unter drei großen Kiefern. Ein ziemlich zugewachsener Erdpfad führt entlang einer Natursteinmauer steil nach unten. Nach weiteren 200 m tauchen wieder blaue Markierungen auf und der Pfad wird eindeutig. 




Kurz bevor wir den Schwenk nach rechts in das Tal der Ribeira da Cova machen, erkennen wir den  Shortcut, den wir vorhin nicht gehen wollten. Kurz nach der Metallbrücke muss man links an einer Natursteinmauer entlang über die Wiese, dann am Schilfgras vorbei, ein Sprung über den Bach und wieder über die Wiese - eigentlich immer geradeaus.


Shortcut
Nach ein paar weiteren Schritten ist auch schon die Bachquerung und die Erdpiste auf der anderen Hangseite erkennbar. 


kurzer Aufstieg von der Ribeira da Cova zur Erdpiste

rein ins Tal ...

... und wieder raus

Nun ist es nur noch ein Katzensprung und wenige Höhenmeter hinauf zum Miradouro da Raposeira, der wie ein Adlerhorst auf einem einzelnen Felsblock thront.


Blick auf den Miradouro von oben bei besserem Wetter im September



wie kommt der Stein in die Astgabel?

Dort treffen wir auf die einheimische Wandergruppe der "Veredas & Levadas", die unseren Weg in der umgekehrten Richtung machen. 



Nach einer Pause wandern wir hinauf nach Raposeira und von dort über die Levada Nova ostwärts zurück. Bei einem Abstecher in der Poncha-Bar von Maloeira treffen wir die V&L ein zweites Mal. Sie beenden hier ihre Tour, wir gehen im Nieselregen wieder an die Levada zurück und weiter bis Prazeres, wo wir unser Auto beim Hotel abgestellt haben.

Fazit: eine schöne Entdeckung, dass der vergessene und auf keiner Karte eingezeichnete Weg doch noch existiert und wieder begehbar ist. Die Runde ist abwechslungsreich und stellt keine besonderen Ansprüche. Die Steilpassagen sind kurz und nicht gefährlich.

Gehzeit: 3,5 bis 4 Stunden (ohne Pausen)
Ab/Anstieg gesamt: 460 m





Anfahrt: Funchal - Ribeira Brava - Prazeres - am ersten Kreisel die dritte Ausfahrt nehmen - der Ausschilderung zum Hotel Jardim Atlântico folgen bis zum großen Parkplatz vor dem Restaurant Vista Prazeres

Sobald der Wanderweg PR 19 wieder freigegeben ist, kann man aus dieser einfachen Wanderung eine anspruchsvolle, tagesfüllende Runde über Paul do Mar machen. Dann steigt man von Raposeira über die Vereda da Atalaia ab und den Caminho Real wieder hoch

oder noch ein bisschen länger über die Vereda dos Zimbreiros

http://paradies-goes-madeira.blogspot.pt/2017/01/kustenrunde-im-winter.html