Boca da Encumeada - Lombo do Peixe - Fajã Fernandes - Jardim dos Areias - Fajã Fernandes - Cascalho - Ribeira Grande - 8 km
Eine Waldwanderung im tiefen Schatten des Laurissilva ist auch bei mehr als 30° für mich immer noch ein Vergnügen. Ich bin wieder mit Jorge verabredet, und sein Vorschlag ist, von der Boca da Encumeada hinunter nach Ribeira Grande zu gehen. Ich habe zwar das Wegelabyrinth östlich vom bekannten PR 21 schon ein paarmal erforscht, aber ich lasse mich darauf ein. Zum einen ist auch mal ganz schön, nicht immer nach dem richtigen Abzweig suchen zu müssen, zum anderen verspricht er mir einen ganz besonderen Ort.
Wir beginnen ganz gemütlich unterhalb des Pico da Encumeada Richtung Osten zu wandern. Für die Aussicht über das São Vicente Tal bietet sich ein kleiner Felsen als Miradouro an. Dann durchqueren wir drei Bachläufe und verlassen am Lombo do Peixe den Weg, der uns entlang der Felswand des Massivs zum Jardim dos Areias führen würde. Zwei mächtige Felsstürze haben ihn zerstört und auf Dauer unpassierbar gemacht. Der Umweg lohnt sich aber allein schon wegen der gewaltigen Bäume, die wie ein Gebirge im Wald stehen.
Nach anderthalb Stunden erreichen wir die Fajã Fernandes und steigen wieder auf, um einen Loop über den Jardim dos Areias zu machen. Wir sind wieder auf einem der Wege, die in dieser - heute bewaldeten - Bergregion, noch vor 100 Jahren Feldwege waren. Bei einem kleinen Abstecher zur Ribeira Grande (auf 760 hm) treffen wir auf drei einheimische Wanderer mit zwei Hunden, die sich von Jorge erklären lassen wie sie zur Boca da Selada weitergehen können. (Sie werden im Laufe des Nachmittags noch mehrmals telefonisch um Rat fragen, weil sie sich verirrt haben.)
Für uns geht's jetzt erstmal ziemlich steil bergauf. Noch immer habe ich überhaupt keine Vorstellung, was ich mir unter einem "Sandgarten" vorzustellen habe, um so überraschter bin ich als wir in diesen Garten eintreten. Madeirenser neigen gerne in ihrer Sprache zur Verniedlichung, denn was ich hier erlebe, ist ein Park der Giganten. Riesige verwitterte Felsen mit Spalten und Höhlen liegen da zwischen den Bäumen herum. Es scheint, als seien wir in eine andere Zeit eingetreten. Über uns thront der Pico do Ferreiro. Außer dem Rauschen der Ribeira Grande unter uns und ein paar Vogelstimmen ist nichts zu hören. Die Welt ist woanders - es ist magisch!
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| Die Pforte |
Es fällt schwer sich von diesem Ort zu lösen, aber wir haben ja noch einen schönen Weg vor uns durch die Fajã Fernandes und entlang der Vereda do Cascalho.
Bald tauchen dann auch die Überrreste von Palheiros auf und deutlich sieht man, dass die Vereda mal richtig breit war und mit sanftem Gefälle angelegt. Da laufen die Beine wie von alleine. Doch die Freude, hält nicht lange an, denn der Fluss reisst mit zerstörerischer Kraft alle paar Jahre ein weiteres Wegstück mit und eine Umleitung folgt der nächsten. Notdürftige Sicherungen am steilen Böschungshang bieten nur trittsicheren Wanderern eine Hilfe den Weg fortzusetzen. (Bei unserem letzten Versuch vor zwei Jahren sind wir notgedrungen einfach durchs Flussbett gegangen: Fajã Fernandes April 2024) Auch jetzt müssen wir den Fluss mehrfach überqueren und mal an dem einen, mal an dem anderen Ufer durch viel Gestrüpp laufen. Mit dem Auftauchen der Ruinen von Cascalho gibt es wieder einen richtigen Weg bis wir die Straße in Junça/Ribeira Grande und damit das zweite Auto erreichen.
Fazit: eine geniale Tour, die ich sicher auf die eine oder andere Art wiederholen werde.
Zum größten Teil sind die Wege einfach und gut zu gehen, aber einige wenige Passagen verlangen absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.
Gehzeit: 4 h
Höhendifferenz: ↗ 250 m ↘ 800 m


























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