27 Juni 2025

Ponta do Pargo - eine Spazierwanderung

Die Gegend um den Leuchtturm von Ponta do Pargo ist "verseucht": zu viele Autos, zu viele Instagram-geile Selfie-Touristen und eine Mega-Baustelle für das künftige Golfgelände. 😡

Der Caminho Real 23 zwischen der Kirche von Ponta do Pargo und der Capela da Nossa Senhora da Boa Morte verläuft überwiegend auf geteerten oder betonierten Wegen. 😞

Und trotzdem kann man immer noch eine nette, kleine Runde drehen. 😊

Capela - Cabito - Cabo - Pico Vermelho - Capela - ca. 6 km


Auf dem Parkplatz der Capela da Nossa Senhora da Boa Morte bekommt man meist noch ein Plätzchen. Die Besucher bleiben nicht lange, sie wollen nur zum Miradouro und schon sind sie wieder weg. Wir gehen ein Stück bergan und folgen dann einem Weg nach links, durch ein kleines Tal, passieren drei Häuser und schwenken dann in das Tal der Ribeira dos Eirozes ein. 



Es sind Weideflächen für die Kühe von Cabo. Aus dem Tal heraus sehen wir die Ruinen von Cabito und kommen auf einen breiten Waldweg. An der ersten Gabelung gehen wir rechts weiter (geradeaus käme man zur ER 101) und queren die Ribeira ein zweites Mal (es ist beide Male nur ein Rinnsal). Der Waldweg ist inzwischen wieder von vielen Blumen gesäumt, die Brandspuren von Oktober 2023 sind nur noch an den großen Eukalyptusbäumen zu sehen.








Bei den ersten Häusern von Cabo müssen wir ein Stück Richtung Osten auf der Straße bleiben, bis zum Hinweisschild "Pico Vermellho". Dann gehen wir den Wiesenweg hinunter zum Miradouro und von dort durch das Tal zurück zur Capela. Natürlich statten wir der Quelle mit dem Heiligenschrein noch einen Besuch ab.





Bom Caminho!


22 Juni 2025

Waldwanderung mit Gipfelchen im São Vicente-Tal

Der Folhadal im hinteren São Vicente-Tal, speziell ein Spaziergang entlang der Levada Velha do Folhadal, gehört mittlerweile in mein festes Repertoire, um einen kurzweiligen Nachmittag im Wald zu verbringen. Seit ich vor zwei Jahren einen nicht ganz kleinen Bestand von Madeira-Riesenglockenblumen entdeckt habe, besuche ich "meinen Waldgarten" ganz regelmäßig. Jetzt im Juni ist zwar noch keine Blütezeit - da muss ich noch bis September/Oktober warten - dafür gibt es auch noch mehr botanische Besonderheiten zu entdecken. Auch die Riesenpetersilie ist endemisch und gehört zu den besonderen Pflanzen mit Inselgigantismus.


die Riesenglockenblume - zur Zeit nur ein "Bäumchen" mit großen Blättern

Musschia wollastonii

und so sieht sie im Herbst aus

blühende/samende Riesenpetersilie - Melanoselinum decipiens - Aipo-do-gado


Federfarn-Wiesen






Levada Velha do Folhadal - in Betrieb

Levada Velha - still gelegt 


Die Trasse der historischen Levada do Folhadal führt um den Piquinho herum, ein kleiner Felsstock, der der Ebene darunter seinen Namen leiht. 

Achada do Piquinho


Dass der Piquinho zu besteigen ist, war mir bekannt. Wie man hinauf kommt, weiß ich jetzt, weil ein paar Bäume entlang der alten Levadatrasse mit blauen Bändchen markiert wurden. Es ist ein ziemlich steiler Wildschweinpfad bis man den Sattel erreicht hat. Dann geht es über einen schmalen Grat bis zu einer Felsplatte, die sehr dürftig mit einem Seil "gesichert" ist.


Wir verzichten auf das Gipfelglück und begnügen uns mit der Aussicht ein paar Meter unterhalb der Felsspitze. Dann geht es wieder an den Abstieg auf gleichem Weg (es soll auch einen alternativen Pfad zur Vereda do Rosto Branco geben, das wäre noch zu erkunden)

Blick nach Süden auf den Monte de Trigo

Blick ins São Vicente-Tal





Auf dem Rückweg entlang der Levada sehen wir den Piquinho nochmal von der Westseite.


 
Fazit: der Folhadal ist so etwas wie ein botanischer Irrgarten und es braucht etwas Pfadfindergeist, um sich in der Vielzahl der Wege nicht zu versteigen. 



Ein Ausflug in das Tal der Ribeira do Porco

Es war Feiertag, Dia do Corpo de Deus, in Deutschland als Fronleichnam bekannt, und die Associação do Caminho Real da Madeira hatte zu einem Spaziergang mit anschließendem gemeinsamen Essen eingeladen - ein almoço convívio mit Cozido à Portuguesa. 

Hin und wieder lasse ich mich auf so eine Veranstaltung ein, einfach schon deshalb, weil ich den Kontakt zu den Einheimischen pflegen möchte, auch wenn mir ihr Essen und ihre Traditionen ein bisschen fremd bleiben. Das cozido ist herzhaft und deftig: Kohl, Möhren, Kartoffeln, Süßkartoffeln, viel Fleisch und jede Menge Würste aller Art. Alles in einem Topf gekocht mit reichlich Chili. Dazu gibt's Wein, den man ohne das Essen nicht trinken würde oder allenfalls auf madeirensische Art gemischt mit Orangeade. So ein "convivio" muss man sich als ein sehr lautes Durcheinandergequatsche mit zunehmender Fröhlichkeit vorstellen. Während ich mich während des Wandern noch mit dieser oder jenem unterhalten kann, bin ich spätestens bei Tisch mit meiner Sprachfertigkeit am Ende und mache meine ganz privaten "Sozialstudien". Das klingt jetzt fast ein wenig negativ, ist es aber garnicht, denn es ist ein perfekter Kontrast zu meinen sonstigen Wanderungen, die ich mit Piet oder wenigen Freunden in der Einsamkeit der  Natur verbringe. Madeira ist eben nicht nur Lorbeerwald und Levadas und Wasserfälle, sondern das sind auch die Menschen, die genau dies ebenso schätzen wie ich.


Die mercearia von Dona Lúcia

es gibt nicht mehr viele solcher Läden, wo von der Heiligenfigur bis zur Milchtüte alles zu bekommen ist

und hier in der Garage wird alles fürs convívio vorbereitet


die jungen Leute aus dem Dorf treffen sich zum Baden am Fluss 


am Poço das Casas in der Ribeira do Porco


Und hinter den letzten Häusern beginnt auch schon die Einsamkeit. Wir besuchen die Madre der Levada dos Tornos, die nach 106 km Länge Wasserlauf Funchal mit Wasser und Strom versorgt.


Und wir kommen zur Madre der Levada dos Louros, die kaum noch jemand kennt, weil sie schon lange nicht mehr gebraucht wird, um Felder zu bewässern. 


Dort, wo einst Getreide und Gemüse kultiviert wurden, hat sich wieder ein Wald entwickelt.


Levada dos Louros



Nur rund um die paar Häuser in Achada da Madeira gibt es noch Kleinst-Landwirtschaft. Liebevoll ist jedes Feld mit Blumen eingehegt. 




Es fühlt sich im Talschluss der Ribeira do Porco ein bisschen so an, als wäre hier die Welt zu Ende. Was zu Ende ist, ist allerdings nur die Straße. Von hier kommt man immer noch nur zu Fuß weiter - und das wird hoffentlich noch lange so bleiben.

mehr Fotos seht ihr hier:

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