26 August 2015

Levada do Moinho

Mühlenlevadas gibt es auf Madeira ja einige. Eine sehr beschauliche verläuft im Nordwesten der Insel. Vom kleinen Dorf Achadas da Cruz wollen wir ins Quellgebiet der Levada wandern und erhoffen uns Schatten und wenig Betrieb in dieser abgelegenen Gegend.



Auf einem Treppenweg zwischen Häusern und Gärten erreichen wir die Levada do Moinho und werden von einem orangefarbenen Meer von Montbretien empfangen.


 Kurz vor einer Mühlenruine stürzt ein Wasserfall herab und wir umgehen ihn über einen kurzen Treppenpfad hinauf auf eine Wiese aus Farnen und Stechginster. Die Brandwunden von 2012 haben sich hier noch nicht wieder geschlossen.




Im weiteren Verlauf wird es idyllisch: die Levada gleicht mehr einem munteren Bach, an dessen Ufer sich Reste des ursprünglichen Lorbeerwaldes wieder regenerieren.




Nach einem weiteren kurzen steilen Aufstieg (auch hier muss ein Wasserfall umgangen werden) wandern wir durch dichte Baumheidetunnel entlang eines tiefen Schluchtbetts der Ribeira da Cruz bis zur Quelle.


hoffentlich hält die Baumheide den dicken Brocken noch lange fest


Die Wanderung ist im August ein Nasen- und Gaumenschmaus. Üppige Büsche von Balsamstrauch (Cedronella triphyllis) hängen blühend über den Weg und die Brombeeren und  Baumheidelbeeren sind jetzt reif.
So abwechslungsreich und einfach zu gehen, lohnt der lange Anfahrtsweg zur Levadatour PR 7 (Nr 59 im Rother Wanderführer) auch für Wanderungen mit Kindern.

Balsamstrauchblätter können für einen erfrischenden Tee gesammelt werden. Er wirkt kreislaufanregend und bei Erkältungskrankheiten fiebersenkend



22 August 2015

Levada dos Cedros

Der Fanal, war ja schon häufig Ziel eines Wandernachmittags, der im Nebel beginnt. So auch diesmal, als wir uns den Wanderpfad PR14 Richtung Curral Falso vornehmen.



Um an die Levada dos Cedros zu kommen geht es vom Forsthaus Fanal erst einmal auf einem gut gepflegten, gestuften Waldweg 200 m ins Tal der Ribeira da Janela hinunter. Auf halber Höhe treffen wir auf die antike Levada aus dem 16.Jh., die allerdings aufgegeben und von einer neueren, etwas tiefer gelegenen, ersetzt worden ist.




Je weiter wir absteigen, desto lichter wird der Nebel und Sonnenflecken tanzen durch das dichte Blätterdach der Lorbeerbäume über uns.



Nach etlichen Erdrutschen im letzten und vorletzten Winter ist die Levada wieder gut renoviert und alle kritischen Stellen ordentlich durch Brücken und Seile gesichert. Der Weg ist durchgehend nass und weich. Nach stärkeren Regenfällen kann es ziemlich rutschig werden.


  Ein kleiner Miraduro erlaubt uns auf dem Rückweg sogar einen ungetrübten Blick in das sonnige Janela-Tal.



Wir waren allerdings ganz froh über die feuchte Kühle im Wald, die uns den Wiederaufstieg nach vierstündiger Wanderung angenehmer machte.

20 August 2015

Madeira Magic


Einen Besuch im Einkaufszentrum Forum Madeira verbinde ich gerne mit einem Besuch des recht unbekannten Parks Madeira Magic.


Der Garten wurde 2006 am Ponta da Cruz im Westen der Bucht von Funchal eröffnet. Außergewöhnliche klimatische Bedingungen und der felsige Grund des Kliffs ließen den Gestalter Gerald Luckhorst einen extensiven Garten schaffen, dessen kreative Gestaltung mich ungeheuer fasziniert.

Grundidee von Luckhorst war, die Geschichte Madeiras in diesem Garten lebendig zu machen. Die Insel, die vor der Entdeckung von einem unberührten Urwald bedeckt war und nach der Brandrodung durch die ersten Siedler im Laufe seiner Geschichte eine wechselvolle Vegetation erfahren hat, lässt sich bei einem Rundgang durch den Madeira Magic im Miniformat entdecken: Exemplare des natürlichen Waldes, dem Laurisilva, die Landwirtschaft mit Weizen, Zuckerrohr, Wein, Bananen, die Zierpflanzen von sechs Kontinenten und die verlorene Vegetation  der Südküste mit ihren Drachenbäumen - alles auf einer ehemaligen Müllkippe. Gärten sind eine wunderbare Möglichkeit, verwüstetes Land zu bereinigen. Das ist hier gut gelungen!







Der Eingang zum Madeira Magic Garden ist kostenfrei am Pestana Tea House zu finden  (der ursprüngliche Eingang an der Rua Ponta da Cruz ist dauerhaft geschlossen).
Öffnungszeiten 10 - 18 Uhr
Am Vormittag sind manchmal Schulklassen im Garten unterwegs
Eine ausführliche Beschreibung des Gartens ist im Bildband "the Gardens of Madeira" zu lesen (nur in englischer Version)



17 August 2015

Levada do Furado

Wandern auf der Nordseite der Insel an einem heißen Julitag. 
Wie man sieht gibt es auf Madeira immer mehr als ein Wetter.


Wir starten in Portela, das in Wolken liegt, zu einer Wanderung auf der Levada do Furado, die bis nach Ribeiro Frio führt. 


Die liebliche Vegetation geht bald in eine spektakuläre Wegführung über. Leider ist die phantastische Aussicht auf wenige Meter begrenzt.




Erst auf dem Rückweg scheint die Sonne wieder in den "Garten Eden"



Für diese Levadatour muss man schon besonderes Glück haben, um sie mal bei Sonnenschein zu erleben. Uns war das bisher noch nicht vergönnt. Lohnenswert ist sie aber trotz alledem.

20 Juli 2015

Azulejos



Wir machen mal wieder eine Reiseverlängerung in Lissabon. Sieben Stunden Aufenthalt vor dem Anschlussflug nach Funchal genügen, um einen schönen Stadtbummel durch eine der interessantesten Städte Europas zu machen.
Diesmal möchten wir uns den Azulejos widmen. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Faszination, die die gekachelten Hauswände auf mich ausgeübt hatten, als ich 1975 zum ersten Mal in Lissabon war. Deshalb zieht es mich mehr in die verwinkelte Altstadt, als ins Museum oder in einen der Paläste, die den antiken Schatz der portugiesischen Fliesenkunst beherbergen.






Ganz ursprünglich kamen die Fliesen mit den Mauren nach Spanien und Portugal. In Lissabon entstanden im 16. Jahrhundert Werkstätten, aus deren Produktion sich die Renaissance-Architektur der Kirchen, Klöster und Paläste dieser Dekorelemente großflächig bediente. Kachelmotive wurden mehr und mehr Modesteömung und viele Häuser erhielten die Azulejos de tapete, die steinernen Orientteppiche für die Wand.
Im 19. Jahrhundert verließen die Fliesen die Innenräume und mit der industriellen Herstellung eroberten sie die Hausfassaden. Es hatte sich gezeigt, dass Kacheln feuchtigkeitsresistente Wärmeisolatoren sind und sich deshalb besonders für das Meeresklima eignen.


hier fehlen einige Azulejos im Wandfries

Mittlerweile gelten Azulejos als portugiesisches Kulturgut und können in ganz Portugal und auf den Inseln in allen erdenklichen Größen, Farben und Mustern -auch als Souvenir - gekauft werden. Besonders gefragt sind antike Azulejos, die auf dem Flohmarkt, Feira da Ladra, angeboten werden. Vorsicht: Viele Händler betreiben illegalen Handel mit den Azulejos und die dreistesten unter ihnen, klopfen sogar nachts antike Kacheln aus den Gebäudefassaden, um sie anschliessend zu verkaufen.
Also besser in eins der Geschäfte, die einen autorisierten Verkauf der antiken Fliesen betreiben oder Kopien nach alten Vorbildern anfertigen.

Einzigartig in Lissabon ist, dass man Azulejos überall findet:
In Gassen, in Hauseingängen und auf Fassaden, in Kirchen, auf Plätzen, in Restaurants, in den 
U-Bahnhöfen, einfach... überall.



Auf Madeira sind antike Azulejos im Jardim Tropical in Monte, im Mercado dos Lavradores und vielen Kirchen zu entdecken.






03 Juli 2015

Wanderung im Tal der wilden Orchideen


Die Wetter App von Ciimar Madeira verspricht für den ganzen Tag Sonnenschein am Encumeada Pass. Das ist auch in den Sommermonaten nicht alltäglich und so zieht es uns hinauf zu Madeiras Wasser- und Wetterscheide. Zufällig geraten wir bei der Anfahrt in eine Oldtimer-Rallye. Die illustren Fahrzeuge werden uns an diesem Tag noch mehrfach begegnen.




Wanderstrecke ist die Levada do Norte in Richtung Folhadal. Sie ist einfach zu gehen, angenehm kühl und durch und durch "blumig". Nach Durchquerung des ersten Tunnels von 600m, in dem uns ein kräftiger Luftzug entgegen kommt, blühen im Schatten von Adlerfarnen und Maiblumenbäumen die wilden Orchideen - Orchis maderensis.




Forellen, die in der Levada huschen, begleiten uns bis zu einem Wasserfall, der in dieser Jahreszeit mehr sprüht als fällt.



Der zweite lange Tunnel ist mir suspekt, zumal ich noch immer mit der Notbrille unterwegs und damit nicht ganz trittsicher bin. Wir kehren um bis zur Gabelung der Levada. Dort folgen wir, jetzt wieder auf der Südseite vom Encumeada, der Levada das Rabaças. Heiße Luft steigt aus dem grünen Tal von Serra de Água herauf. Wir freuen uns auf die feuchte Kühle im 300 m langen Tunnel, denn auf dieser Bergseite brennt die Sommersonne gnadenlos. Am 2km langen Rabaças-Tunnel ist wegen einer Sperrung unser Umkehrpunkt.



Auf dem Rückweg zum Encumeada haben wir wunderbare Ausblicke ins Ribeira Brava Becken und die Gipfel der Nord-Südflanke des Zentralmassivs.

Zum Schluss: die Levada Do Norte ab Encumeada taugt für eine kurzweilige, leichte Wanderung, die  auch mit Kindern in knapp 2 Stunden gut zu machen ist. Die Erweiterung auf der Levada das Rabaças (setzt auf jeden Fall Schwindelfreiheit voraus), macht aus der Wanderung eine wenig anstrengende Halbtagestour.