21 September 2021

ein Märchen mit Happy End


Was haben eine Kuh, ein verlorener Autoschlüssel und Facebook gemeinsam? Ein Märchen mit Happy End!


Die Geschichte beginnt an einem sonnigen Nachmittag als sich endlich die letzten Regenwolken verzogen hatten. Wir brachen zu dritt zu einer kleinen Wanderung in der Nähe auf und positionierten vorsichtshalber zwei Autos, denn es war nicht klar, ob wir die Runde wie geplant drehen können ohne nass zu werden. Steffens Auto stellen wir an der Levada Nova in Loreto ab, mit unserem fahren wir weiter nach Canhas/Eiras. Wir wollen die Levada Velha inspizieren, ob der Erdrutsch vom Frühjahr beseitigt ist und ob wir, wenn ja, bei der Madre ans andere Ufer der Ribeira do Calderão wechseln können.


Der Einstieg zur Levada Velha ist gut aufgeräumt, die Levada selbst aber ziemlich zugewachsen. Bis zum kleinen Wasserfall ist es nur Gras, dann beginnt dorniges Gestrüpp. Wir umgehen diesen Part auf der Schotterpiste und hier verliert Piet den Autoschlüssel durch ein Loch in der Hosentasche. Natürlich unbemerkt, sonst gäbe es ja keine Geschichte. Wer es bemerkt hat, ist die Kuh im Schatten unterm Baum. Und als der Bauer kurz darauf kommt, um sie an anderer Stelle anzupflocken, sagt sie ihm Bescheid. Er hebt den Schlüssel auf und nimmt ihn mit nach Hause. 


Wir kommen wieder zurück zur Levada, das Gras ist hier noch ein wenig höher als vorhin, aber immerhin fließt jetzt Wasser durch den Kanal, und macht Hoffnung, dass wir bis zur Madre gehen können, denn der schönste Teil beginnt erst nachdem man in die Ribeiras eintaucht. Der Erdrutsch ist tatsächlich geräumt, aber die Sicherungen sind alle komplett weggebrochen. Mit Vorsicht lässt sich die Stelle passieren. Im weiteren Verlauf ist die Levada in einem mäßig guten Zustand und wir können sie bis zur Madre begehen.


Die Idee mit dem anderen Ufer an der Madre lassen wir fallen, denn ohne Leiter oder Seil ist es zu gefährlich. Also gehen wir ein Stück zurück und steigen bei einem kleinen Apfelgarten auf einen Waldweg ab, der uns eigentlich zur Levada Nova bringen sollte. Der ist aber nach Überqueren der Estrada do Pinheiro von Raupenfahrzeugen verwüstet. Also gehen wir nach rechts Richtung Pinheiro auf diesem idyllischen Sträßchen (ohne Autoverkehr). In Pinheiro ist die Bar geöffnet, wir trinken einen Kaffee, vom verlorenen Autoschlüssel ahnt noch keiner was. Dann steigen wir an der Kapelle über die 1a Vereda do Pomar zur Levada Nova ab. Und genau dort bemerkt Piet, dass der Autoschlüssel fehlt. Also ist die Richtung, in die wir gehen klar, nämlich nach Loreto, wo Steffens Wagen steht.


Er bringt uns nach Hause, wir malen Schildchen „Perdi a chave do meu carro/Nissan. Quem o encontrar recebe uma recompensa“ und die Telefonnummer. Dann fahren Piet und Steffen nochmal zum Suchen los - ohne Erfolg - und pinnen die Schilder an die Strommasten.


In der Zwischenzeit macht die Bauerstochter Fotos vom Schlüssel und postet sie bei Facebook mit der Bitte den Post zu teilen. Das liest eine Freundin von ihr, vor deren Haustür eins unserer Schilder hängt. Sie ruft uns am nächsten Abend an, wir treffen uns mit ihr, sie bringt uns zum Bauern und - es ist unser Schlüssel (und die Elektronik funktioniert auch noch). Happy End für alle!


So,  jetzt könnt ihr raten, welcher Teil der Geschichte erfunden ist


Aussicht auf Barreiro (vorn) und Santo Antão (hinten)

das ist die Kuh, die aufgepasst hat


die geräumte Levada Velha

Levadatreppe

Madre der Levada Velha



auf dem Rückweg



Levada Nova




Ribeira da Madalena



das war einmal der Schlafraum im Levadeiro-Haus


Fazit 1: Die Levada Velha ist im momentanen Zustand nichts für Gelegenheitswanderer und für die Levada Nova zwischen Loreto und Canhas müsst ihr schwindelfrei sein und dürft keine Höhenangst haben.


Fazit 2: Es ist gut, die (Hosen)Taschen für wichtige Dinge immer zu kontrollieren


Fazit 3: Wie alles andere im Leben hat auch Facebook seine guten Seiten.


Mehr zu dieser Gegend findet ihr hier: 

https://paradies-goes-madeira.blogspot.com/2021/05/wanderung-auf-der-levada-nova-pinheiro.html

https://paradies-goes-madeira.blogspot.com/2019/03/eine-interessante-entdeckung.html

10 September 2021

von Seixal zum Fanal

Seixal - Praia da Laje - Ribeira Funda - Vereda da Tranquada/CR 23 - Vereda dos Castanheiros - Fanal - 8,2 km

Vom Meer auf den Berg bei schwülen 27 Grad. Warum? Weil der Weg schön ist und das Ziel lohnenswert. Klar lässt sich der Fanal auch mit dem Auto ganz bequem erreichen, aber die uralten Lorbeer-Riesen stehen nun mal nicht auf dem Parkplatz, sondern in den Nordhängen. Und wenn ich diese hinaufsteige, übrigens diesmal auf ganz passablen Wegen, dann begegne ich Ihnen mit noch größerer Ehrfurcht. Zum Glück finde ich für meine Wanderideen immer eine nette Begleitung. Diesmal also Damentour.

Seixal, Praia da Laje

Estrada Antiga - aufgeräumt und wieder befahrbar

die Sperrmauer ist eingerissen - ich habe Neugier und Abenteuerlust zu Hause gelassen, und wir gehen durch die Straßentunnel

Blick von der Brücke in die Ribeira Funda


sonnige Idylle in Ribeira Funda

Blick von der Tranquada auf Porto Santo

die Vereda da Tranquada wächst langsam wieder zu

diese Bachquerung hat ein Drahtseil als Auf/Abstiegshilfe bekommen

Picknick im Bachbett vor dem vertikalen Aufstieg

Vorsicht! der Hohlweg wird bei Regenfällen zum Bach

die weit ausladenden Kronen der uralten Lorbeebäume

ein Baum mit Bank




ich sitze im Baum

typisch Fanal: heraufziehende Wolken

Fazit: anstrengend (nicht nur wegen der Wärme), aber sehr schön zu wandern
Für die Vereda da Tranquada muss man schwindelfrei und trittsicher sein. Sie wird nur unregelmäßig vom Bewuchs freigehalten und Brombeergestrüpp versperrt oft den ohnehin schmalen Saumpfad


Gehzeit: 4 h 30

Höhendifferenz: 1150 m


Anfahrt: 2 Autos
Funchal - VR 1 - Ribeira Brava - VR 4 - Serra de Água - ER 105 - Boca da Encumeada - ER 105 - Paúl da Serra - ER 209 - Fanal (ein Auto parken), weiter bis Ribeira da Janela - VE 2 - Seixal 



Diese Wanderung lässt sich auch zu einer Runde über die Levada dos Cedros ausdehnen:







05 September 2021

im Dickicht auf Paúl da Serra

Estanquinhos - Pico Ruivo do Paúl - Vereda da Terra Chã - Caminho dos Pessegueiros - Fontes Ruivas - Estanquinhos - 12,4 km


Es war ein Tag für die Serra, die Wolken hingen an der Südküste fest, wir hatten wolkenlosen Himmel über uns und wollten einfach nur eine schöne Runde drehen. 
Wir begannen bei Estanquinhos mit dem Aufstieg zum kleinen Pico Ruivo. Ziemlich schnell war klar, dass wir Gamaschen brauchten, denn der Stechginster hat mittlerweile auch diesen Aufstiegsweg erobert. Auf dem Gipfel turnte ein Mechaniker im neu aufgestellten Sendemast herum und sein Fahrzeug stand auch dort oben. Weil der Abstiegsweg zu den Fontes Ruivas komplett zugewachsen ist, mussten wir die elende Staubpiste nehmen, die für die Installation des Sendemasts geschoben worden war.

Zum Glück ging es danach blumig und fruchtig weiter. Die Strohblumen leuchten aus dem Farn, die Brombeeren halten sich mit reifen Früchten dezent am Wegesrand und die Blaubeeren wachsen uns fast in den Mund. Für's Pflücken ist es noch zu früh, erstmal wollen wir ein bisschen laufen, und wenn nach der Wanderpause die Brotdosen leer sind, wollen wir sie mit den "Uvas da Serra" füllen.

stinkende Strohblume - Helichrysum foetidum



Die Vereda da Terra Chã ist zwar ein bisschen langweilig, aber wir haben vor, einen uns noch unbekannten Weg zum Montado dos Pessegueiro zu erkunden, und dafür müssen wir ein Stück Erdpiste in Kauf nehmen. Die Suche nach der Querverbindung ist erstmal schwierig, weil der Abzweig total unter hohem Gras verschwunden ist und die Karte nicht exakt stimmt (er zweigt etwa 70 m früher ab als eingezeichnet). Hat man ihn erstmal gefunden, ist er sehr beschaulich zu gehen. Es gibt nur eine kurze Passage, die besondere Aufmerksamkeit erfordert, weil der Hang im Bereich der Felswand senkrecht abfällt. Der Weg ist jedoch breit genug, um sicher passieren zu können.

Vereda da Terra Chã




Nach einer Stunde (mit einer gemütlichen Pause!) erreichen wir die Vereda dos Pessegueiros. Die schönen Ausblicke begleiten uns solange der Weg knapp auf Kante führt. Er ist genauso gut geputzt und sehr angenehm zu gehen, weil garnicht steil. Nach der Hälfte des Aufstiegs ändert sich der Zustand jedoch ziemlich: ohne Machete wäre es schon sehr beschwerlich weiter durchzukommen. Aber wir haben sie ja dabei und Piet hackt uns den Weg frei - nicht ahnend, dass dies erst der Anfang war.

Blick vom Montado dos Pessegueiros (1300 m) bis Ponta Delgada

... über die zentrale Bergkette, Pináculo und Pico Ruivo do Paúl

Caminho dos Pessegueiros

Dort, wo wir ins ehemalige Brandfeld geraten, wird es richtig anstrengend. Aber wir sehen immer noch eine Spur, der wir folgen können. Zwischen den verbrannten Bäumen und Sträuchern wuchert der Farn und mächtiges Brombeergestrüpp. Und irgendwann ist Schluss: eine undurchdringliche Wand aus Bromberen, Stechginster und harten Hölzern, die so dicht stehen, dass wir uns selbst ohne stechende Vegetation nicht durchzwängen könnten. Wir versuchen diese "Wand" zu umgehen und geraten in immer dichteres Dickicht und sind vorallem in der falschen Richtung unterwegs. Piet kann nicht mehr und schlägt vor, dass wir umkehren, solange wir noch genügend Zeit dafür hätten. Ich bin für einen letzten Versuch, um die verbleibenden 200 Meter zu schaffen, die uns von der Terra Chã Piste trennen. Das geht nur mit Zähne zusammenbeißen und mit Kraft und ohne Tränen. Danach bleibt immer noch ein weites Stechginsterfeld, aber hier sind die Pflanzen nur noch hüfthoch und wir spüren sowieso schon nichts mehr. Völlig verdreckt, zerschlissen, zerkratzt und total erschöpft erreichen wir nach drei Stunden Hackzeit den ersehnten Weg. Geschafft! Ans Blaubeerenpflücken ist nicht mehr zu denken.

Auf dem stillen Rückweg nach Estanquinhos wird uns klar, was die hiesigen Jungs leisten, wenn sie einen alten, zugewachsenen Weg wieder gangbar machen. Wir haben uns nur durchgekämpft, da will sicher keiner nachlaufen - und wir möchten es auch keinem raten. Es war eine Tortur.







Fazit: die empfohlenen Wanderwege zum Pico Ruivo do Paúl sollte man meiden bis dort wieder aufgeräumt wurde und Baustellenruhe eingekehrt ist.
Unserem Ausflug zum Montado dos Pessegueiros kann man unbesorgt folgen, sofern man den gleichen Weg wieder zurückgeht.



Problematisch sind diese 1,9 km (blau). dafür brauchten wir drei Stunden